USB-Surfstick im XP-Modus von Windows 7

24. November 2009

Was nützt das Betriebssystem Windows 7 auf dem mobilen Rechner, wenn der Zugang ins Internet nicht möglich ist? Während es kaum ein Problem darstellt, einen so genannten Surf-Stick unter Windows XP einzusetzen, zieren sich einige Mobilfunkanbieter noch bei den notwendigen Treibern für Windows 7. NT4Admins zeigt, wie hier der XP-Modus unter Windows 7 helfen kann.

Der XP-Modus von Windows 7  ist bereits auf NT4Admins detailliert vorgestellt. Er erlaubt es den Anwendern der Professional-, Enterprise- und Ultimate-Version des neuesten Client-Betriebssystems, eine virtuelle Maschine mit einem Windows XP (Servicepack 3) zu betreiben. Die Motivation dazu: Microsoft stellt diese Möglichkeit hauptsächlich deshalb zur Verfügung, damit die Anwender eine Möglichkeit besitzen, „die wenigen Anwendungen, die nicht unter Windows 7 laufen“, relativ einfach auf diesen Systemen zu betreiben.

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Die aktuelle Version des Virtual-PC-Software, die beim XP-Modus von Windows 7 zum Einsatz kommt, bietet ein weiteres Feature, dass viele Anwender und Administratoren lange erwartet haben: Eine bessere Integration mit der Hardware.

Bild 2. Versuch geglückt: Das XP-System in der virtuellen Maschine greift auf das USB-Modem zu, dass mit dem Hostsystem verbunden ist und transparent durch geschleift wird.

Die aktuelle Version des Virtual-PC-Software, die beim XP-Modus von Windows 7 zum Einsatz kommt, bietet ein weiteres Feature, dass viele Anwender und Administratoren lange erwartet haben: Endlich ist es möglich, aus dem Gastsystem innerhalb eine aktiven virtuellen Maschinen auf Geräte zuzugreifen, die mit den USB-Anschlüssen des Hostsystems verbunden sind. Eine Möglichkeit, die von der Desktop-Lösung des Konkurrenten VMware schon länger zur Verfügung gestellt wird, die aber auch Anbieter wie Parallels mit ihrem Ansatz Parallels Desktop for Windows/Linux (bzw. auch für Mac OS) bereitstellen.

Ein Test soll dieses Novum des Virtual PCs für einen ganz besonderen Anwendungsfall ausprobieren: Einbinden eines Surf-Sticks.
Viele Provider von Mobiltelefonen bieten so genannte Surf-Sticks an. Dabei handelt es sich um USB-Geräte, die für den Computer als sogenanntes 3G-Modem arbeiten und so den Zugang zu UMTS-Netzen ermöglichen. Hier sind dann im Idealfall mittels HDSPA-Technik (High Speed Downlink Packet Access  – häufig auch als UMTS Broadband bezeichnet) Datenraten von 3,6 MBit/s oder mit schnellerer Hardware sogar 7,2 MBit/s möglich.

Doch vor den Einsatz derartiger Gerät hat Windows die Installation der korrekten Treiber gesetzt und hier ist es im Einzelfall leider so, dass viele Hersteller noch nicht in der Lage oder willens sind, die entsprechenden Treiber für Windows-7-System zur Verfügung zu stellen.

In unserer Testinstallation kam ein Surf-Stick des Providers Fonic mit einer Tagesflatrate als Datentarif zum Einsatz. Eigentlich wäre gerade für diese Kombination aus Hardware (ein Huawei E160) und direkt auf dem Stick mitgelieferter Software kein derartiger Aufwand notwendig, den der Anbieter liefert in vorbildlicher Weise auf Treiber für Windows Vista auch auf x64-Systemen mit.

Diese wurden von unserem Windows-7-System (Ultimate x64) problemlos automatisch installiert und erlaubten dann den Betrieb der ebenfalls mitgelieferten Verbindungssoftware. Die Aufgabe bestand nun aber darin, diese Verbindung exemplarisch auch aus der virtuellen Maschine heraus zu ermöglichen, um eben auch jene Lösungen einsetzen zu können, die keine derartigen Treiber zur Verfügung stellen.

Bild 3. Im „Live“-Einsatz: Die Verbindung steht, in diesem Fall nur im EDGE-Modus, da der UMTS-Ausbau in den ländlichen Gegenden leider in keiner Weise den Versprechungen der Provider entspricht.

Das Konsolenfenster des Virtual PCs bietet am oberen Rand einen Menüpunkt USB, der den Zugriff auf die gemeinsam vom Gast- und Hostsystem verwendeten USB-Schnittstellen ermöglicht. Dies funktioniert allerdings nur, wenn die so genannten Integrationsfeatures aktiviert sind, was die Software aber als Standardeinstellung vorsieht.

Durch diese Technik stehen sämtliche USB-Geräte zunächst einmal beiden Systemen, sowohl dem Gast- als auch dem darunter liegendem Host-Rechner zur Verfügung, was den Datentransport zwischen beiden Systemen deutlich erleichtert. Durch das USB-Menü kann der Anwender aber ein spezielles USB-Gerät auch so konfigurieren, dass es ausschließlich dem Gastsystem zur Verfügung steht.

USB-Gerät gehört der VM

Im Praxistest zeigte es sich, dass das System zunächst darin ging, die Treiber und die Software von dem Gerät durch die Autostart-Funktion automatisch auf dem Host-System zu installieren, was in diesem Fall ja nicht gewünscht war. In diesem Zusammenhang ist noch zu erklären, dass diese Art von USB-Gerät sich gegenüber dem System grundsätzlich als zwei Geräte anmelden: Ein Gerät wird dabei als CD-Laufwerk mit dem System verbunden, von dem aus nur darauf liegende Software installiert werden kann.

Das zweite Gerät ist dann das 3G-Modem, das die Verbindung aufbauen kann. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die Software per Autostart auf das richtige System zu bekommen, lautet e der Ansatz, die Software vom Stick „per Hand“ zu starten. Nachdem es auf diese Art und Weise gelungen war, die Software auf das XP-System in der virtuellen Maschine zu bringen, wurde die Zuordnung des USB-Geräts so geändert, dass nur noch das virtuelle System dieses Device verwenden konnte.

Danach erkannte der XP-Rechner die neue Hardware an seiner USB-Schnittstelle und das Host-System meldete, dass der virtuelle USB-Treiber erfolgreich installiert sei. Danach war es für die mitgelieferte Software unter dem Namen „Mobile Partner“ möglich, das Modem an der Schnittstelle zu erkennen, die PIN-Nummer abzufragen und dann die Verbindung aufzubauen.

Sowohl einem Download von E-Mail-Nachrichten als auch dem Surfen auf Webseiten stand anschließend über diese Verbindung aus dem virtualisierten XP-System heraus nichts mehr im Wege. Das darunter liegende Windows-7-System wurde damit in keiner Weise belastet, und die Verbindung steht ihm natürlich nicht zur Verfügung.

Schutzmechanismen sind in der VM nötig

Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang wieder einmal der Hinweis, dass der Anwender unbedingt dafür Sorge tragen muss, dass auch das virtualisierte Betriebssystem mit den entsprechenden Schutzmechanismen wie Firewall und Antivirus-Software ausgestattet ist, was natürlich ganz besonders bei einer derartige direkten Internet-Anbindung gilt.

Der Versuch zeigt, dass der XP-Modus unter Windows 7 in der täglichen Praxis durchaus dazu eingesetzt werden kann, Lücken auszugleichen, die zurzeit noch durch fehlende Treiber für dieses System entstehen. Natürlich ist die Installation einer derartigen Lösung zunächst etwas aufwändiger – hat man aber erst einmal die Treiber richtig installiert, lässt sie sich relativ rasch einsetzen.

Wenn sich der Anwender dann noch im näheren Umfeld einer deutschen Großstadt befindet, denn nur dort findet man nach den bisherigen Erfahrungen sowohl im Norden als auch im Süden der Republik entsprechende UMTS-Netze, steht dem flotten Surfen nichts mehr im Weg. Im Rest des Landes klappt es in der Regel immerhin noch im EDGE-Modus, was zwar kein DSL-Gefühl aufkommen lässt, aber für Standardarbeiten immer noch ausreicht.

Frank-Michael Schlede

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