Skydrive bringt die Cloud auf den Desktop

1. März 2013

Kommt die Rede auf Cloud-Computing, so werden die meisten IT-Fachleute besonders im professionellen Umfeld der IT zunächst an die „großen“ Lösungen wie Azure oder auch AWS (Amazon Web Services) denken. Vielleicht fällt im Zusammenhang mit Desktop-Anwendungen auch noch der Name Dropbox –Microsofts eigene Cloud-Lösung für den Desktop wird hingegen eher selten erwähnt. Dabei hat Skydrive eine ganze Reihe von Möglichkeiten zu bieten, wie wir hier zeigen.

Bild 1. Im „Look & Feel“ von Windows 8: Beim neuen Betriebssystem ist der Cloud-Speicher fest ins Betriebssystem integriert und bietet entsprechende Austauschmöglichkeiten.
Bild 2. Die Skydrive-App für Windows (hier auf einem Windows-8-System): Mit ihrer Hilfe stehen die Skydrive-Ordner direkt im Explorer wie jeder andere Ordner zur Verfügung.

Wer schon länger ausschließlich mit Microsoft-Produkten auf dem Desktop arbeitet, kennt sicher auch Skydrive – viele Anwender und Administratoren nutzen diesen Speicherplatz in der Cloud, um beispielsweise Word-Dateien und andere Dokumenten abzuspeichern, wenn sie unterwegs sind. Diese Funktionalität machte Skydrive nur zu „noch einem Cloud-Laufwerk“, das zudem in der Popularität glatt von Lösungen wie Dropbox abgehängt wurde. Auch die noch jüngere Lösung Google-Drive bekommt häufig mehr Aufmerksamkeit. Im Zuge der Verfügbarkeit von Windows 8 hat Microsoft aber die Möglichkeiten und Fähigkeiten von Skydrive deutlich erweitert und modernisiert und es zudem noch enger mit dem Betriebssystem und den Office-Anwendungen verzahnt.

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Apps stehen für viele Geräte bereit.

Wer Skydrive noch aus der Zeit kennt, als Microsoft mit Windows Live erste zarte Schritte in diese Richtung unternahm, wird sich sicher auch noch darin erinnern, dass es damals wirklich nur über den Browser möglich war, auf die Daten zuzugreifen, die auf dem Cloud-Speicher lagen. Das hatte zwar den unbestreitbaren Vorteil, dass dies dann auch über Systemgrenzen hinweg möglich war und ein Skydrive-Dokument so beispielsweise auch auf dem Mac bereitstehen konnte – es war aber in der Bedienung alles andere als komfortabel.

Mit dem Erscheinen von Windows 8 hat Microsoft dieses „Internet-Laufwerk“ nun nicht nur fest in das Betriebssystem integriert, sondern stellt neuerdings auch eine ganze Reihe von Apps für die verschiedenen Betriebssystem bereit, die das Arbeiten mit Skydrive deutlich erleichtern. Dazu gehören aktuell die folgenden Apps für die unterschiedlichen (auch mobilen) Betriebssysteme:

  • Mac OS X,
  • über den Windows Store für Windows 8 und Windows RT,
  • für Windows Phone,
  • für iOS auf iPhone und iPad,
  • für die Android-Smartphones und Tablets,
  • für die Xbox und
  • für die „älteren“ Windows-Desktop-Systeme.

Dabei handelt es sich hier nicht um einen Irrtum, dass Windows 8 und Windows RT noch einmal separat erwähnt werden, obwohl Skydrive bei diesen neuen Systemen ja bereits standardmäßig vorhanden ist. Allerdings sind sie bei diesen Betriebssystemen in die Kacheloberfläche von Windows 8 integriert. Die Apps für die Windows-8- und Windows-7-Systeme stellen aber eine Erweiterung für den Windows-Explorer zur Verfügung. Damit wird – wie die Anwender es von anderen Programmen wie Dropbox ebenfalls kennen – ein Skydrive Ordner direkt in den Windows Explorer integriert.

Für den Anwender erscheint dieses Verzeichnisse mitsamt seinen Unterverzeichnissen wie ein lokaler Ordner, den er entsprechend bearbeiten und einsetzen kann. Ganz ähnlich funktioniert auch SkyDrive für das Mac-Betriebssystem: Auch hier wird bei der Installation ein SkyDrive-Ordner auf dem System erstellt und die Daten, die der Nutzer in diesen Ordner verschiebt, werden automatisch zwischen dem Mac-System und SkyDrive.com synchronisiert.

Bild 3. Neue, moderne Oberfläche: Skydrive lässt sich auch mit Google Chrome einfach und schnell bedienen.
Bild 4. Auch auf Android-Systemen gelingt der Zugriff: Die ebenfalls kostenlose Android-App erlaubt es wie hier unter Android 4.22 direkt vom Tablet aus auf den Cloud-Speicher zuzugreifen.
Bild 5. Direkte Integration in die Office-Pakete: Alle Anwendungen unter Office 2013 zeigen bei „Öffnen“ oder „Speichern“ automatisch den Skydrive-Eintrag an.

Zugriff vom Mac, vom Smartphone und von Tablets

Auch unter OS X kann der Anwender die Ordner frei wählen, die mit dem Laufwerk in der Wolke synchronisiert haben will – eine Integration in den Finder ist ebenfalls gegeben. Der einzige Wermutstropfen bei der Mac-App besteht in der Tatsache, dass sie leider erst ab Mac OS X 10.7 (Lion) eingesetzt werden kann: Apple pflegt bei seinen Systemen leider keine so konsequente Politik der Abwärtskompatibilität, wie es bei den Windows-Systemen der Fall ist. Bei beiden Apps sowohl für Windows7/8 als auch die für Mac OS X stellten wir nach der Installation und einem ersten Verbindungsaufbau zunächst eine kurze Verzögerung fest, bist die Dateien entsprechend synchronisiert waren. Danach lässt es sich aber mit den Daten in diesen Verzeichnissen sehr flüssig arbeiten, wobei dies natürlich auch von der Güte der Internet-Anbindung abhängig ist.

Für die verschiedenen mobilen Betriebssystem stellt Microsoft ebenfalls Apps bereit: Das es unter Windows Phone 7 und 8 möglich sein muss, auf Skydrive zuzugreifen ist sicher keine Frage. Aber auch von der iOS-Plattform oder den Android-Geräten aus ist es möglich, mit einer entsprechenden App diese Daten zu verwenden. Beide Apps stehen jeweils kostenlos in den App-Stores von Apple und Google bereit.

Das Arbeiten mit ihnen ist einfach: Wir haben in einer Testinstallation die App für Android auf einem Google Nexus 7-Tablet

Das gibt’s noch mehr: Zusammenarbeit mit Dokumenten

Microsoft bietet mit der aktuellen Version der Skydrive-Produkte nun auch eine noch engere Integration mit den Paketen und Anwendungen aus den Office-Paketen an: So steht bereits seit dem letzten Jahr ein „Skydrive Connector für SharePoint“ bereit, der auf Microsofts Web-Seite für Open Source Projekte (Codeplex) unter der URL http://skydriveconnector.codeplex.com/ zum Download angeboten wird. Mit Hilfe dieses Web-Parts für den SharePoint-Server können Administratoren dann in ihrer Umgebung ein Single-Sign-On in die Skydrive-Laufwerke aus SharePoint heraus realisieren.

Ebenso nahtlos hat Microsoft Skydrive sowohl in Office 2013 als auch in die „große“ Cloud-Lösung Office 365 integriert. War es bei den lokalen Office-Installationen schon unter Office 2010 problemlos möglich, Dateien direkt in Skydrive abzulegen und sie somit auch automatisch zu synchronisieren und auf dem aktuellen Stand zu halten, so wurde in Office 365 ein zusätzliches Icon integriert, das ein Speichern auf Skydrive erlaubt. Alle Anwendungen aus dem Office-2013-Paket zeigen in den „Öffnen“- und „Speichern“-Dialogen automatisch einen Eintrag für Skydrive an.

Wer schon zu Windows-Live-Zeiten mit Skydrive gearbeitet hat, wird feststellen, dass Microsoft auch beim Erscheinungsbild der Skydrive-Seite und –Ordner im Browser sehr schnell modifiziert hat: Die gesamte Ansicht ist nun moderner und spiegelt den nüchternen Stil der Windows-8-Oberfläche wieder. Dank des Einsatzes von HTML-5 stehen auf den meisten modernen Browsern, auch wenn sie nicht Internet Explorer 9 oder 1o heißen, sehr umfangreiche Funktionen direkt zur Verfügung.

Dies wird beispielsweise an den Kacheln deutlich, die den direkten Zugang zur Online-Mail „Outlook.com“ (das vormalige Hotmail) oder auch den Kontakten ermöglichen (Bild 3). Weiterhin können die Nutzer nun direkt aus dem Browser auf andere Windows-Systeme des Nutzers greifen, die dieser mit seiner Live-ID (dem Microsoft-Konto) miteinander verbunden hat. Diese werden in Skydrive aufgelistet (siehe Bild 3 an der linken Seite). Beim ersten Zugriff auf diese Art verlangt das System eine Verifikation, die darin besteht, dass der Nutzer per vorher benannten E-Mail-Konto einen Zahlencode übermittelt bekommt, mit dem er dann den Zugriff freischaltet.

Einfach und konsistent zu bedienen dank HTML-5

Ebenfalls mit Hilfe der HTML-5-Techniken wurden die Möglichkeiten des Teilens und vor allen Dingen die Anzeige dieser Möglichkeiten deutlich erweitert: Hier tauchen nun beispielsweise Overlay-Windows im Stil von Windows-8 im Browser auf, die dem Nutzer die Möglichkeit bieten, beispielsweise eine frei zugängliche oder auch eingeschränkte URL für den Zugriff auf eines seiner Dokumente zu erstellen. Wer das neue Skydrive in einem Browser oder einer App auf einem Tablet bedient, wird ebenfalls feststellen, dass die Bedienung mit dieser neuen Oberfläche und vor allen Dingen mit den verschiedenen Kacheln auf dieser Art von Geräten sehr gut gelingt: Ein Effekt, den viele Nutzer auch beim Einsatz der Windows-Phone-Geräte schnell zu schätzen lernen.

Mit der aktuellen Version von Skydrive stellt Microsoft gerade den Windows- und Office-Anwendern eine gut integrierte Lösung im Internet bereit, mit der sie sowohl Daten speichern als auch mit Hilfe der dabei ebenfalls verfügbaren Office-Web-Anwendungen bis zu einem gewissen Grad auch bearbeiten können. Als besonders praktisch haben wir es dabei empfunden, dass der Hersteller nun auch die Apps für andere Betriebssysteme anbietet, so dass die Anwendung über Plattformen hinweg möglich ist. Wer schon von früher her sein Skydrive-Account besitzt, kann immer noch auf 25 GByte an freien Speicherplatz zugreifen, während neuen Anwendern aktuell 7 GByte kostenfrei bereitstehen. Weiterer Speicherplatz kann dann gegen monatliche Gebühr hinzugebucht werden.

Frank-Michael Schlede/Thomas Bär

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