ScanPST repariert den Posteingang

9. März 2010

Das Szenario kommt einem GAU – dem „Größten Anzunehmenden Unfall“ – doch schon sehr nahe: Unterwegs mit dem Notebook  und Outlook kann auf einmal nicht mehr auf die Datendatei zugreifen, so dass neue Nachrichten nicht einmal mehr heruntergeladen werden. Das kann bei einer holprigen Internet-Verbindung schon vorkommen, wie sie beim Betrieb eines UMTS-Sticks etwa in einem ICE-Zug der Deutschen Bahn des öfteren auftritt. Hier hilft in einigen Fällen mit ScanPST ein wenig bekanntes Werkzeug, das Microsoft standardmäßig zusammen mit den Outlook-Versionen ab Outlook 2000 ausliefert

Ohne Frage zählt Outlook auf den Windows-Office-Plattformen  zu den wichtigsten Anwendungen im täglichen Einsatz. Umso schlimmer, wenn das Programm plötzlich nicht mehr in der Lage ist, auf die eigene Datendatei zuzugreifen. Dies ist bei einer lokalen Installation ohne Exchange-Server eine Datei vom Typ „*.pst“ (Persönliche Ordner-Datei).

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Im konkreten Fall kam es zu einer mehrfachen Unterbrechung der Übertragung der Internet-Verbindung über einen UMTS-Sticks – ein durchaus übliches Phänomen in einer ICE-Zugfahrt von München nach Hannover. Nach mehreren Versuch und einer schließlich stabilen Verbindung begann das Mail-Programm zwar die Nachrichten herunterzuladen,  brach aber immer wieder mit einem undefinierten Fehler ab, wenn es galt, diese abzulegen. Auch ein Löschen von Einträgen oder weitere Aktionen an den vorhandenen Mails wurden wiederholt mit dem irreführenden Hinweis quittiert, dass ein anderer Prozess die Datei offen hätte und so kein Zugriff möglich sei.

Nachdem die bewährten „Windows-Methoden“ wie das gesamte System neu zu starten und auch eine Defragmentierung des entsprechenden Bereichs auf der Festplatte keinerlei Ergebnisse zeigten, brachte eine Recherche den Hinweis auf ein wenig bekanntes Werkzeug, das Microsoft standardmäßig zusammen mit den Outlook-Versionen ab Outlook 2000 ausliefert.

Das Werkzeug trägt den Namen „ScanPST“ und wird in der deutschen Dokumentation als „Posteingang reparieren“ bezeichnet. Bei dem Programm handelt es sich um eine ausführbare EXE-Datei, die in der Regel im gleichen Ordner zu finden ist, in dem die ausführbaren Dateien der jeweiligen Office-Version auf dem eigenen System liegen. Folgt man den Erläuterungen auf den Support-Seiten von Microsoft, so sollte sie zwar je nach System in einem der Ordner

\Programme\Gemeinsame Dateien\System\Mapi\1031

oder

\Programme\Gemeinsame Dateien\System\MSMAPI\1031

zu finden sein, was wir auf keinem der von uns überprüften Systeme bestätigen konnten: Sowohl unter Windows XP als auch unter verschiedenen Windows-7-Systemen war „ScanPST“ immer im Ordner der Office-Programme zu finden.

Das gilt auch für das Beta von Office 2010 und auf Rechnern unter Windows in der x64-Version. Es bleibt sowieso unverständlich, weshalb dieses Programm bei der Installation von Office nicht standardmäßig so auf den Rechner kommt, dass es dann im Ordner „Microsoft Office Tools“ zu finden ist.

Bild 2. Nach der Überprüfung: Die Software legt vor der Reparatur eine unveränderte Backup-Kopie der Original-Datenbank an, so dass der Anwender im Zweifelsfall auf sie zurückgreifen kann.

Die Anwendung des Programm ist einfach: Nach dem Start findet es in der Regel automatisch den richtigen Pfad zur Outlook PST-Datei (Bild 1). Natürlich kann der Anwender hier auch einen anderen Pfad angeben. Das Programm weist beim Start noch einmal darauf hin, dass für seinen Einsatz Outlook und weitere Anwendungen, die auf die Mail zugreifen, geschlossen sein müssen. Dann überprüft es in acht Schritten die Datendatei.

Dabei wird unter anderem die Verzeichnisstruktur innerhalb der Datenbank untersucht. Das Programm versucht dabei auch, entsprechende Elemente wiederherzustellen. Wurden Fehler in der Datenbank gefunden, so legt das Werkzeug zunächst eine Sicherungskopie der alten Datenbank mit der Endung „.bak“ an, so dass sie im Zweifelsfall nach einer Umbenennung in „.pst“ wieder verwendet werden kann (Bild 2).

Diese Vorgehensweise ist durchaus angebracht, da die Software Struktur- und Tabellenblöcke, die sich bei der Überprüfung als nicht lesbar oder beschädigt herausstellen, direkt aus der Datenbank entfernt. Diese Vorgänge werden in einer Protokolldatei dokumentiert, weshalb es unbedingt notwendig ist, diese Option beim Start des Programms nicht abzuwählen (Bild 1).

Nähere Informationen über die Art und Weise, wie die Software die PST-Datei repariert und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, sind in einem Artikel mit dem Titel „Verwenden der Anwendung Posteingang reparieren zum Wiederherstellen von Nachrichten in Outlook 2002, Outlook 2003 und Outlook 2007“ auf den Support-Seiten von Microsoft zu finden.

Im geschilderten Fall war das Programm schließlich die Rettung: Nach einem zwar langsamen aber erfolgreichen Durchlauf von „ScanPST“ war es wieder möglich, mit der Outlook-2007-Installation auf dem Notebook unter Windows 7 zu arbeiten. Dabei ging glücklicherweise weder ein Mail- noch ein Adress- oder Aufgaben-Eintrag verloren. Für Installationen, die direkt mit dem Exchange-Server verbunden sind, stellt Microsoft auch eine Version „ScanOST“ des Programms zur Verfügung.

Frank-Michael Schlede/rhh

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