KI am Arbeitsplatz wird überschätzt

25. Juni 2025

59 Prozent der Arbeitnehmer sehen künstliche Intelligenz als überbewertet an. Zu diesem Ergebnis kommt eine GoTo-Studie. Zudem schöpfen 90 Prozent das volle Potenzial von KI nicht aus. Diese Studie entstand in Zusammenarbeit mit Workplace Intelligence und basiert auf einer Umfrage unter 2.500 Arbeitnehmern und IT-Führungskräften weltweit.

Der Forschungsbericht „The Pulse of Work in 2025: Trends, Wahrheiten und die praktische Anwendbarkeit von KI“ von Goto liefert ein überraschendes Ergebnis: Obwohl KI die Produktivität steigern soll, fühlen sich die meisten Mitarbeiter von den Versprechungen durch die Technologie enttäuscht. 59 Prozent glauben, dass KI deutlich überbewertet wird.

Dazu liefert diese Studie auch eine Erklärung: Es liegt vermutlich daran, dass Mitarbeiter die verfügbaren Tools nicht optimal nutzen. Denn 90 Prozent der Befragten geben zu, das Potenzial von KI-Tools nicht voll auszuschöpfen. 77 Prozent wissen nicht, wie sie KI praktisch in ihren Arbeitsalltag integrieren können. Dabei schätzen die Befragten, dass sie täglich 3,2 Stunden pro Tag – also 16 Stunden pro Woche – mit Aufgaben verbringen, die KI übernehmen könnte.

Die Lösung liegt auf der Hand: Unternehmen müssen nicht nur den Zugang zu KI ermöglichen, sondern auch dafür sorgen, dass die Mitarbeiter über die richtigen Tools und die richtige Ausbildung verfügen. Indem sie Teams mit effektiven Schulungen und klaren Richtlinien ausstatten, können Unternehmen ihre Mitarbeiter dazu befähigen, die wahre, transformative Wirkung von KI zu entfalten. Weitere zentrale Erkenntnisse der Studie lauten:

  • KI übernimmt zwar Aufgaben, aber nicht wie erwartet: 7 Prozent der Mitarbeiter nutzen KI weniger für effizienteres Arbeiten im Tagesgeschäft, sondern für kritische Bereiche: 21 Prozent setzen sie für emotional anspruchsvolle Aufgaben ein, 14 Prozent für sicherheitsrelevante Tätigkeiten und 6 Prozent für ethische oder sensible Aufgaben – obwohl sie wissen, dass sie KI hierfür nicht verwenden sollten. Beunruhigend: 80 dieser Mitarbeiter bereuen den KI-Einsatz in solchen Bereichen nicht.
  • Vertrauen in KI-Tools fehlt: 82 Prozent der Mitarbeiter haben wenig Vertrauen in die Genauigkeit und Zuverlässigkeit von KI-Tools. 70 Prozent berichten, dass die Ergebnisse häufig nachbearbeitet werden müssen.
  • Kleinere Unternehmen hinken hinterher: In Unternehmen mit maximal 50 Mitarbeitern nutzen 74 Prozent der Beschäftigten KI. Allerdings wissen 40 Prozent der Angestellten in kleinen und mittleren Unternehmen nicht, wie KI ihnen Zeit sparen oder die Arbeitsprozesse verbessern könnte. In größeren Unternehmen setzen dagegen fast 84 Prozent KI ein.

Entgegen der Erwartung haben nicht nur ältere Arbeitnehmer Schwierigkeiten mit KI-Tools. Auch jüngere Mitarbeiter nutzen diese Tools nicht vollständig. 74 Prozent der Generation Z geben zu, nicht vertraut mit dem praktischen KI-Einsatz in der täglichen Arbeit zu sein. Das zeigt, wie wichtig es ist, alle Generationen mit den nötigen Werkzeugen und Schulungen auszustatten, um KI sicher und effektiv zu nutzen. Als Lösungsansätze für bessere KI-Nutzung gelten:

  • Die richtigen Tools bereitstellen: Mitarbeiter würden am meisten von virtuellen KI-Assistenten (90 Prozent) profitieren. Danach folgen Tools mit künstlicher Intelligenz zur Automatisierung (86 Prozent), Kommunikation (90 Prozent), generative KI-Tools (85 Prozent) und KI-Chat-/Messaging-Assistenten für die Kommunikation mit Kunden (76 Prozent). Nur durchschnittlich 3,5 von 10 Unternehmen bieten diese Tools an.
  • Richtlinien und Schulungen verbessern: 43 Prozent der IT-Leiter berichten von einer unternehmensweiten KI-Richtlinie. Sowohl Mitarbeiter (75 Prozent) als auch IT-Führungskräfte (72 Prozent) fordern bessere Anleitungen für den ordnungsgemäßen KI-Einsatz. 88 Prozent der Mitarbeiter sehen Schulungsdefizite bei der KI-Nutzung.
  • Strategische KI-Implementierung: 21 Prozent der IT-Leiter geben zu, dass ihr Unternehmen KI einführt, nur weil es zeitgemäß erscheint – ohne sorgfältige Planung oder klares Ziel. Die meisten IT-Führungskräfte (85 Prozent) geben an, dass ihr Unternehmen den ROI (Return on Investment) von KI-Tools jedoch gut misst.
  • Kleine Investition, große Wirkung: 80 Prozent der IT-Führungskräfte schätzen, dass ihr Unternehmen nur 20 US-Dollar oder weniger pro Monat und Mitarbeiter für KI-Tools ausgeben müsste, um die Effizienz jedes Mitarbeiters um eine Stunde täglich zu steigern.
  • Perspektiven angleichen: Die Umfrage zeigt Diskrepanzen zwischen IT-Führungskräften und Mitarbeitern bei KI-Einsatz, Praktikabilität und Zuverlässigkeit. Unternehmen, die diese Unterschiede beheben, können die KI-Vorteile optimal nutzen.

Methodik

Die Studie basiert auf einer Umfrage von GoTo und Workplace Intelligence von Februar bis April 2025. 2.500 Arbeitnehmer weltweit nahmen teil: 1.250 Vollzeit-Wissensarbeiter und 1.250 IT-Entscheider aus den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Indien, Mexiko und Brasilien.

Rich Veldran ist CEO von GoTo.

GoTo

Lesen Sie auch