Best Practice: Tipps für die Migration auf Windows 10

12. Februar 2020

Viele Firmen halten trotz des Support-Endes noch an Windows 7 fest. Verständlich, denn einer Migration auf Windows 10 stehen oft organisatorische Hürden, mangelnde Ressourcen oder die fehlende Kompatibilität zentraler Applikationen im Weg. Doch je länger Unternehmen warten, umso teurer wird es. Eine effiziente und relativ günstige Lösung bietet die Migration über eine Peer-to-Peer-Architektur.

Am 14. Januar 2020 war Stichtag: Nach zehn Jahren stellte Microsoft den technischen Support und die Software-Updates für Windows 7 ein. Einen Ausweg gibt es für Firmen, die Volumenlizenzen nutzen, sie können den Support um drei Jahre verlängern, allerdings nicht gerade zum Schnäppchenpreis – was zu erwarten war. Doch trotz des lange bekannten Support-Endes und der drohenden Sicherheitsrisiken hat Windows 7 noch immer einen Marktanteil von knapp 30 Prozent.

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Technisch gesehen ist die Migration auf Windows 10 nicht allzu komplex. Die Herausforderung gerade für mittelständische Unternehmen mit bis zu 10.000 Nutzern liegt meist in der Governance, und die Fragen sind zahlreich: Wie soll die Migration logistisch angegangen werden? Wird mit einem Standort, mit einer Abteilung gestartet? Wie erfolgt die Kommunikation mit den Mitarbeitern? Hinzu kommen fehlende Budgets und Kapazitäten in den IT-Abteilungen und mögliche Probleme mit inkompatiblen Anwendungen, die nach einer Migration auf Windows 10 nicht mehr reibungslos funktionieren und Geschäftsprozesse negativ beeinflussen können.

Je später, desto teurer

Angesichts dieser Herausforderungen benötigt die Migration auf Windows 10 gute Planung und Vorlaufzeit. Dafür ist es nach dem Support-Ende von Windows 7 definitiv zu spät. Die Chance auf eine sanfte Migration mit parallelem Hardwareaustausch haben viele Firmen verpasst. Je später das Upgrade erfolgt, umso teurer kann es werden und desto höher ist der Erfolgsdruck. Migriert eine Firma nicht auf Windows 10, kann es beispielsweise sein, dass Applikationen wie das ERP-System nach einem Update nicht mehr kompatibel sind – das wäre dann der Super-GAU.

Für die Migration selbst ist ein hohes Maß an Wissen und Kapazitäten notwendig. Firmen brauchen Software-Tools, technische Ressourcen wie ausreichend Netzwerk-Bandbreite, Lösungsarchitekten und Projektmanager. Auch das Management muss eingebunden sein. Häufig unterstützt daher ein externer IT-Dienstleister bei der Migration.

Peer-to-Peer-Plattform und gute Planung

Für die Softwareverteilung von Windows 10 selbst eignen sich oft Plattformen auf Basis einer Peer-to-Peer-(P2P)Architektur besser als nur herkömmliche Systemmanagement-Tools wie Microsoft SCCM (System Center Configuration Manager) oder Intune. Über P2P lassen sich Upgrades oder Patches von einem einzigen Server aus, unter Nutzung der bestehenden SCCM Installation, schneller und kosteneffizienter verteilen.

Dadurch werden die in Microsoft-Umgebungen benötigten zahlreichen Distribution Points (PXE Preboot Execution Environment) überflüssig. Für den Aufbau eines virtuellen SANs nutzt die P2P-Lösung die freien Speicherkapazitäten von Windows-Clients und setzt die Clients als „Quasi-PXE-Server“ ein. Damit sind keine zusätzlichen Infrastruktur-Ressourcen notwendig, beziehungsweise kann die bestehende Infrastruktur reduziert oder anderen Zwecken zugeführt werden.

Gemeinsam mit einem in der Praxis bewährten Umsetzungsplan inklusive Risikobewertung steigen damit die Erfolgschancen für eine reibungslose Migration erheblich. Der Plan umfasst als Blueprint den gesamten Projektzyklus der Migration auf Windows 10 – von der Planung, dem Proof of Concept (POC), dem Testen und Validieren der Konfiguration, der Software-Verteilung bis hin zu Produktion und Reporting.

Doch selbst gute technische Planung, geprüfte Applikationen oder ein leistungsfähiges Netzwerk bilden keine Garantie für die reibungslose Migration. Fehler in der Kommunikation mit den Nutzern, der Governance oder auch die mangelnde Einbindung der Geschäftsbereiche können zu Verzögerungen oder Problemen führen. Daher gilt es, sämtliche Nutzer von Anfang an mit ins Boot zu holen, etwa durch interne Marketing-Maßnahmen, die auf die Migration vorbereiten und die Akzeptanz bei den Mitarbeitern erhöhen.

Konkrete Tipps für Administratoren

Es gibt durchaus technische Themen, an denen ein Upgrade auf Windows 10 scheitern kann. Administratoren sollten daher folgende Punkte berücksichtigen:

  • Hardware-Check: Die Client-Endgeräte müssen die technischen Voraussetzungen für Windows 10 erfüllen, sprich mindestens 8 GByte RAM und am besten eine schnelle SSD aufweisen.
  • Netzwerkverbindung: Für die Migration ist für einen kürzeren Zeitraum eine hohe Netzwerk-Bandbreite notwendig. Das Aufrüsten der Bandbreite im WAN (Wide Area Network) kann für Firmen hohe Kosten verursachen, insbesondere wenn sie in mehreren Ländern tätig sind.
  • Peer-to-Peer: Abhilfe schafft hier eine P2P-Lösung, da sie das Netzwerk kaum belastet, keine zusätzliche Infrastruktur erfordert sowie Kosten spart, da viele Server unnötig werden.
  • Microsoft Intune: Intune bildet bei der Migration eine gute Option für Firmen mit einer einfachen IT-Umgebung. Bei einer komplexen Applikationsumgebung deckt Intune noch nicht alles ab. Dafür ist eine aufwändige hybride Umgebung mit On-Premise-Infrastruktur und Intune-Softwareverteilung notwendig.
  • Server: Die Migration auf Windows 10 erfordert oft ein kostspieliges Upgrade der SCCM-Infrastruktur. Eine P2P-Lösung kann diese Server-Infrastruktur ersetzen.

Herausforderungen bei P2P-Lösungen

Eine P2P-Lösung bietet viele Funktionen, Konfigurations-Möglichkeiten und Security-Checks sowie einen hohen Automatisierungsgrad. Das Problem: Damit diese mächtige P2P-Softwareverteilung wirklich ihre Vorteile gegenüber einer klassischen Server-Umgebung ausspielen kann, müssen die Administratoren über genügend Know-how für die Konfiguration und Implementierung verfügen. Es besteht also hoher Schulungsbedarf.

Eine weitere Herausforderung ist die Netzwerk-Topologie. Eine P2P-Lösung muss diese genau abbilden, um die Datenflüsse und die jeweils verfügbare Bandbreite optimal zu steuern und auszuschöpfen. Wenn das gelingt, sorgt P2P für eine schnelle, effiziente Migration zu niedrigen Kosten.

Géza Lauturner ist Country Manager DACH bei Adaptiva

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