Windows Server 2008 R2: mehr Wissen gedruckt

2. Dezember 2010

Der Windows Server 2008 R2 wird wie alle aktuellen Betriebssysteme von Microsoft nicht mehr zusammen mit einer gedruckten Dokumentation ausgeliefert. Glaubt man den Aussagen des Herstellers, so will auch kein IT-Profi mehr auf gedruckte Dokumentation zurückgreifen. Eine Aussage, die schon alle durch zahlreichen Druckwerke aus dem Hause Microsoft ziemlich fragwürdig erscheint. Gut, dass immer noch Verlage existieren, die auch die Herausgabe richtiger „Wälzer“ nicht scheuen: Wir stellen ein interessantes Beispiel aus dieser Kategorie vor.

Beim Windows Server 2008 handelt es sich gerade auch in der aktuellen R2-Version um eine Software, die einen hohen Grad an Komplexität erreicht hat. Natürlich haben sich die Microsoft-Ingenieure redlich bemüht, diese
Komplexität mittels der integrierten Assistenten (Wizards) abzumildern. Weiterhin kommt beim Einsatz eines solchen Server-Systems ohne Frage die Tatsache hinzu, dass diese nur sehr selten von Anfängern oder gar Computer-Laien bedient werden. Sind gedruckte Dokumentationen und damit auch Fachbücher zu solchen Server-Systemen damit nun völlig obsolet?

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Viele Informationen zwischen zwei Buchdeckel

Der Verlag Addison-Wesley scheint dies nicht zu denken und pflegt eine ganze Reihe von Fachbüchern, die sich intensiv mit den Server-Themen befassen. Der Autor Eric Tierling ist den meisten IT-Profis, die im Windows-Umfeld tätig sind, sicher kein Unbekannter, hat er doch schon eine ganze Reihe erfolgreicher Werke herausgebracht und ist auch immer wieder als Autor in den unterschiedlichsten Fachmedien tätig.

Sein aktuelles Werk unter dem schlichten Titel Windows Server 2008 R2 ist weder ein Werk für Hosentasche noch für schwache Bücherregale: Schon ohne die umfangreichen und nützlichen Anhänge kommt es auf einen Umfang von über 1500 Seiten und mit diesen Ergänzungen sind es dann fast noch einmal 100 Seiten mehr– ein echter Wälzer.

Auf dem Titel wird dann auch deutlich gemacht, mit welchen Anspruch dieses Werk auf den Markt kommt: Es soll dem Administrator sowohl bei Einrichtung und Verwaltung des Systems helfen als auch als Referenz dienen. Wer sich nun fragt, ob es denn wirklich nötig ist, für die reine „Zwischenversion“ R2 ein solch umfangreiches Buch zu schreiben, wo doch bereits genügend Literatur über den Windows Server 2008 angeboten wird, sollte zunächst einmal eine Blick in das Vorwort des Autors werfen, in dem er kurz anreißt wie viele Bereiche in diesem Release Änderungen erfahren haben. Auch wenn es sich hier nur um ein Zwischenrelease handelt, hat Microsoft doch mit diesem Server viele Änderungen eingeführt und Neuerungen verwirklicht, die vielfach auch im direkten Zusammenhang mit den Windows-7-Clients stehen, und die Administratoren vor viele neue Aufgaben stellen.

Sieben Abschnitte mit einer Reihe von Kapiteln

So nennt sich auch der ersten von sieben großen Teilen, die das insgesamt 36 Kapitel umfassende Buch aufgliedern, Bekanntschaft mit dem Server-Betriebssystem schließen. Im ersten Kapitel zeigt der Autor  grundsätzlich auf, welche Neuheiten und Änderungen die dieses Microsoft-Betriebssystem im Vergleich zu seinen Vorgängern und hier besonders zum Windows Server 2008 aufzuweisen hat.

Der Leser findet dabei gleich auf den ersten Seiten die wichtigsten Features mittels spezieller Icons gekennzeichnet: Dazu gehören beispielsweise die Hinweise darauf, dass dieses System standardmäßig zusammen mit dem Hyper-V ausgeliefert wird, und dass dieser Server ausschließlich in einer 64-Bit-Version zur Verfügung steht. Auch ein Warnhinweis ist gleich auf den ersten Seiten zu finden, der einen Administrator vor Missverständnissen bei einer erstmaligen Installation des Betriebssystems bewahren kann: Tierling weist explizit darauf hin, dass eine Installation des Systems ohne grafische Oberfläche, also als sogenannter Server Core, nicht ohne eine komplette Neuinstallation wieder rückgängig gemacht werden kann. Eine wichtige Information, die viel zusätzliche Arbeit sparen kann.

Nach diesem einleitenden Überblick widmet sich dann je ein Kapitel der Neuinstallation und der Aktualisierung auf Windows Server 2008 R2. Gerade die hier zur Verfügung gestellten Schritt-für-Schritt-Anleitungen können sich für einen Administrator, der bisher noch keinen Windows-Server installiert hat, als große Hilfe erweisen. Aber auch für erfahrene Systemverwalter bietet beispielsweise das Kapitel zum Update auf diese Server-Version eine Reihe von nützlichen Tipps. In allen Abschnitten und Kapiteln des Buches werden die Erläuterungen und Beschreibungen mit der richtigen Menge an Screenshots unterstützt, auf denen die entsprechenden Einstellungen dargestellt werden, so dass ein Nachvollziehen der Schritte deutlich leichter wird.

Allerdings muss sich der Verlag Addison-Wesley wie schon bei früheren Rezensionen auf hier wieder fragen lassen, ob es bei einem Buch, das fast 70 Euro (!) kostet, wirklich nicht möglich ist, diese Darstellungen in Farbe abzudrucken – so sehen billige Nachschlagewerke für Einsteiger mit aufwändigen Farbdarstellung zumeist wertiger aus als dieses hochklassige Fachbuch, dass durch die Darstellung in reinem Schwarzweiß die Anmutung eines Produktflyers erhält. Zumal gerade bei modernen Betriebssystem-Oberfläche die Farbe nicht nur die Funktion hat, den Administrator durch ihre Vielfalt zu erfreuen, sondern auf diese Weise häufig auch für ihn wichtige Informationen transportiert werden. Das gilt im vermehrten Maß für den Windows Server 2008 R2, der ja mit der gleichen Oberfläche wie die Windows-7-Systeme aufwarten kann.

Kapitel 5 und 6 des ersten Abschnitts stellen dann als Abrundung die Verwaltungswerkzeuge vor, die dem Administrator auf diesem Server-Release zur Verfügung stehen. Dabei kommt nicht nur der Server-Manager mit seinen vielen Facetten zur Sprache, sondern auch das Tool DISM (Deployment Image Servicing and Management) wird ausführlich beschrieben. Die Möglichkeiten, die einem Systemverwalter durch den Einsatz der Powershell in diesem Bereich geboten werden, stellt der Autor ebenso wie die Kommandozeilen-Tools vor, die beim Einsatz des Server-Cores verwendet werden müssen.

Netzwerk, Richtlinien und die Sicherheit

Der zweite Teil des Buches stellt in drei Kapiteln die Arbeit im Netzwerk mit dem Windows-Server 2008 R2 vor und geht dabei neben den Grundlagen zur Konfiguration, Diagnose und Überwachung auch auf die Standardproblematiken in diesem Bereich ein. Hier schildert der Autor unter anderem Betrieb und Wartung der DHCP-, DNS– und WINS-Server und bietet Hilfen zur Installation dieser wichtigen Komponenten an. Weitaus umfangreicher ist dann der nächste Abschnitt, der sich in fünf Kapitel dem Active-Directory-Domänendienst und damit auch den Änderungen widmet, mit denen sich der Administrator bei dieser wichtigen Funktion des Windows-Servers unbedingt befassen muss.

Obwohl sich dieses Buch ohne Frage nicht an „Server-Einsteiger“ richtet, ist es sicher richtig vom Autor, diesen Abschnitt mit einer kurzen Einführung in den Verzeichnisdienst zu beginnen, um so auch gleich alle Änderungen und Erweiterungen bei dieser Version im richtigen Zusammenhang vorzustellen. Neben einem Kapitel zu den Grundlagen der AD-Struktur widmet sich ein weiteres Kapitel komplett der Planung entsprechender organisatorischer Strukturen. Schließlich geht es dann zur Einrichtung und Konfiguration, wobei auch Problematik der Einbindung dieses Servers in bestehende AD-Gesamtstrukturen erläutert wird.

Der daran anschließende vierte Teil des Buches behandelt dann die Gruppenrichtlinien, wobei der Autor hier nicht nur Grundlagen erläutert, sondern sehr ausführlich auf Anwendung und Einsatz der Gruppenrichtlinien eingeht. Der Teil über die Verwaltung der Richtlinien mittels Powershell-Cmdlets im Kapitel 17 ist hingegen etwas knapp ausfallen. Dafür schließt ein guter Überblick über die Softwareverteilung mittels Gruppenrichtlinien in einem eigenen Kapitel diesen Teil des Buches ab.

Im fünften sehr umfangreichen Abschnitt befasst sich Tierling mit den Sicherheitsmerkmalen des Windows Servers. Neben den grundlegenden Sicherheitskonzepten, der Zugriffssicherheit und den Möglichkeiten der
Laufwerkverschlüsselungslösung Bitlocker sowie den Anwendungssteuerungsrichtlinien des Applockers geht das Werk ab dem Kapitel 23 auch ausführlich auf die für viele Systemprofis noch neuen Themen Netzwerkzugriffsschutz (NAP – Network Access Protection) und Direct Access ein. Abgerundet wird dieser interessante Abschnitt des Buches durch ein Kapitel über die Überwachungsmöglichkeiten (Auditing), die Microsoft mit diesem Server-Release zur Verfügung stellt.

Drucken im Netzwerk: Nach wie vor sehr wichtig

Der sechste Abschnitt des Buches unter dem Titel Storage & Print diskutiert nicht nur die bekannten File- und Print-Diensten und ihre Ausprägung unter diesem Betriebssystem. Hier wird auch die ebenfalls neue Technik des

BranchCache dargestellt und der Autor beweist weiteres Mal, dass er genau weiß, welche Themen die Administratoren in der Praxis belasten: Ein ganzes Kapitel widmet er auch in diesem neuen Werk dem alten und wohl bekannten Thema des Druckens über das Netzwerk. Wohl jeder Systemverwalter wird bestätigen, wie aktuell diese Thematik auch heute noch im täglichen Betrieb ist.

Der letzte Abschnitt zeigt unter anderem die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Virtualisierungslösungen, die Microsoft mit diesem Windows-Server zur Verfügung stellt und steht unter dem Titel Verfügbarkeit und Virtualisierung. Der Autor beginnt diesen Abschnitt mit einer ausführlichen Beschreibung des Failover-Clusterings, wie es mit dem Windows Server in dieser Version möglich wird, und stellt auch hier eine sehr umfangreiche Beschreibung zur Verfügung, die einem Administrator wertvolle Hilfen an die Hand gibt, wenn er diese Technik selbst einführen möchte.

Sehr ausführlich werden dann die Möglichkeiten des Hyper-V beschrieben, wobei weder die grundlegenden VHD-Dateien noch der Einsatz dieser Technik im Failover-Cluster zu kurz kommen. Abgerundet wird dieser recht umfangreiche letzte Teil des Buches durch die Darstellung der Remotedesktop-Dienste (vormals Terminal-Server) und einer Beschreibung des Windows-Systemressourcen-Managers.

Am Ende des Buches findet der Leser dann noch ein sehr umfangreiches und bei dem Umfang dieses Werkes auch unerlässliches Stichwortverzeichnis sowie vorbildlicher Weise auch eine ausführliche Übersicht über die verwendeten Abkürzungen und eine Auflistung der deutschen und englischen Fachtermini, die in dem Buch verwendet werden. Ob es wirklich nötig ist, ein solches Buch auch noch mit einer DVD auszustatten, auf der sich eine 180-Tage-Testversion des Server befindet, sei dahingestellt: Der Rezensent würde beispielsweise eine Version des Buches in elektronischer Form (beispielsweise als durchsuchbare PDF) als Zugabe eindeutig vorziehen.

Obwohl wir Ihnen dieses Werk hier in einer ziemlich ausführlichen Rezension vorgestellt haben, können wir doch nur einen Überblick über all die Themen geben, die der Autor in gut lesbarer und nachvollziehbarer Form in seinem Buch zusammengefasst hat. Für alle Systemverwalter und Administratoren, die irgendwann einen Windows Server 2008 R2 erstmals installieren, in ihr Netzwerk integrieren oder bei dessen Betrieb auf ein umfangreiches Nachschlagewerk zurückgreifen wollen, ist diese Buch eine definitive Empfehlung.

Frank-Michael Schlede

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