Evolution der Technikexperten: vom Serverraum in die Vorstandsetage

10. Dezember 2019

Technikexperten sind oft sehr beschäftigt: Wir halten uns zu neuen Systemen auf dem Laufenden, versuchen unser Arbeitspensum zu bewältigen und beschäftigen uns mit der Frage, wie der nächste Technologiesprung unsere Karriere beeinflussen wird. Dazu kommt, dass Rollen wie die des System- oder Netzwerkadministrators immer weniger isoliert sind, und Silos abgeschafft werden. Dabei gelangen immer mehr von uns auch in die Vorstandsebene. Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer Erfolg haben will, braucht neue Kompetenzen.

Die meisten Technikexperten gehen den Weg in die Vorstandsebene bereits an: 98 Prozent von ihnen bilden sich zu aufstrebenden Technologien weiter, wie die Ergebnisse des diesjährigen IT-Trends Report 2019 für Deutschland zeigen. Der Haken an der Sache: Trotz all dieser Anstrengungen geben 76 Prozent der Befragten an, sie seien nicht absolut sicher, alle nötigen Fähigkeiten zu besitzen, um ihre IT-Umgebungen in den nächsten drei bis fünf Jahren erfolgreich zu verwalten.

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Weisen Sie sich nicht selbst die Schuld zu, sondern befolgen Sie den Rat des Reports und entwerfen Sie einen eigenen Plan für Ihre Karriereentwicklung. Hier sind einige der Dinge, die ich auf diesem Weg gelernt habe:

Schulungen sind unverzichtbar, doch niemand kann sagen, welche die Richtigen sind

Technikexperten lieben es, die Zukunft zu hypen, doch in der Realität bleiben viele Unternehmen bei traditionellen Technologien, weil sie schlicht und einfach nicht über das notwendige Budget verfügen. Sie haben genügend Zeit, also überlegen Sie, bevor Sie handeln.

Vielleicht programmieren Sie ja gerne. Vielleicht begeistern Sie sich für Finanzen und könnten eine lukrative Karriere daraus machen, Unternehmen bei der Optimierung von Abrechnungslösungen in der Cloud zu unterstützen. Möchten Sie gleichzeitig noch ein paar Bereiche einbeziehen, die vermutlich noch Raum für weitere Expansion bieten? Entscheiden Sie sich für die Cloud, Data Science oder Code. Erlernen Sie neue Technologien, aber machen Sie sich erst breit mit jedem dieser Bereiche vertraut, bevor Sie in die Tiefe eintauchen.

Die beiden wichtigsten Fähigkeiten, die Technikexperten in den nächsten drei bis fünf Jahren auszuweiten planen, sind dem IT Trends Report zufolge das Sicherheitsmanagement (54 Prozent) sowie die Bereitstellung, Überwachung und Verwaltung hybrider IT (47 Prozent). Diese Zahlen können Ihnen als Leitfaden dienen, aber auch hier sollten Sie auf Ihr Bauchgefühl hören.

Ihre Schulungen sind möglicherweise nicht ausreichend

Ich bin ehemaliger Lehrer und lebenslanger Lernender und habe schon viele Schulungsworkshops besucht. Aus Erfahrung weiß ich, dass kurze und intensive Schulungen sehr hilfreich sein können, aber kein Allheilmittel sind. Neues Wissen zu verinnerlichen braucht unausweichlich eine Menge Zeit. Daher sind vielleicht längerfristige Schulungen genau das Richtige für Sie, beispielsweise zwei Stunden an einem Abend pro Woche über einen Zeitraum von sechs Monaten.

Vielleicht gehören Sie aber auch zu jenen Menschen, die erfolgreicher mithilfe von Büchern lernen. Oder Sie verfügen bereits über alle nötigen Fähigkeiten, doch Ihnen fehlt noch das Vertrauen, sie einzusetzen. Es liegt an Ihnen, eine ehrliche Selbsteinschätzung vorzunehmen.

Suchen Sie sich einen Mentor

Wenn Sie schon sehr bald neue Fähigkeiten vorweisen müssen oder den Eindruck haben, dass Ihr Unternehmen Sie nicht ausreichend unterstützt, suchen Sie sich einen Mentor. Es kann sinnvoll sein, nebenbei in einer anderen Abteilung zu arbeiten oder mit jemandem die Stelle zu tauschen, um zu lernen. Angesichts wenig hilfreicher Arbeitsplatzregeln muss man manchmal etwas um die Ecke denken, um das zu ermöglichen. Doch wer sollte etwas dagegen haben, solange Sie noch Ihre Arbeit erledigen?

Entscheidend ist: Ein Mentor kann Ihnen erzählen, was von dem gelernten Wissen unverzichtbar ist und was Sie nur pro forma lernen. Sie erfahren auch, dass Sie Schulungen zu Themen wie Subnetzen bestimmt dreimal besuchen müssen, bevor Sie sie richtig durchdrungen haben. So kommen Sie sich bei den ersten beiden Malen gleich weniger blöd vor.

Lernen Sie die Sprache der Geschäftswelt

Ich weiß, das klingt eher nach einem Tipp für Manager und vielleicht denken Sie auch, dass Ihre Techniksprache verkümmern wird, wenn Sie sich die Wirtschaftssprache aneignen. Sie lernen jedoch nicht nur, in zwei Sprachen zu sprechen, sondern eignen sich dabei auch sehr nützliche Fähigkeiten an.

Sie sollten wissen, dass Unternehmen in der Regel eines von drei Zielen anstreben, abhängig davon, wo im Geschäftszyklus sie sich befinden: Umsätze steigern, Kosten senken oder Risiken reduzieren. Finden Sie heraus, auf welche dieser drei Säulen sich Ihr Unternehmen aktuell konzentriert, und sprechen Sie dann genau dieses Ziel an. Wenn sich Ihr Unternehmen in diesem Quartal um die Umsätze sorgt, bewerben Sie nicht die tollen Funktionen des neuen Monitoring-Systems, sondern zeigen Sie auf, wie es dank reduzierter Ausfallzeiten den Umsatz steigern kann.

Wenn das Unternehmen risikoscheu ist, sollten Sie der Führungsetage nicht die eindrucksvollen Features einer neuen Technologie präsentieren, sondern über die möglichen negativen Auswirkungen einer schlechten oder verschleppten technologischen Entscheidung sprechen. Lernen Sie die Sprache des Managements, aber auch seine Kultur. Ein „Nein“ kann in Wirklichkeit ein „Nicht jetzt“ sein. Vielleicht haben Sie Ihre Argumente auch nicht auf die richtige Weise vorgebracht. Weitere Informationen und Tipps zu solchen schwierigen Gesprächen finden Sie in meinem Video zu genau diesem Thema.

Erkunden Sie eine neue Kultur – und geben Sie Ihr Wissen weiter

Bei jeder Sprache geht es auch um eine Kultur. Sie erweitern also nicht nur Ihr Vokabular, sondern lernen auch eine neue Art zu kommunizieren. Am besten lernt man eine Sprache durch die Unterstützung von jemandem, der sie bereits fließend spricht. Dabei sollte diese Person auch Ihre eigene Sprache sprechen. Wenn Sie Spanisch lernen möchten, reicht es nicht aus, einen spanischen Muttersprachler zu finden: Die Person sollte auch Ihre eigene Muttersprache beherrschen, damit Sie einander überhaupt erst einmal verstehen. Lesen Sie Blogs und Bücher und hören Sie Podcasts, die sich mit der Kultur und Sprache des Unternehmens beschäftigen, in dem Sie tätig sind.

Dies trifft auch zu, wenn es um die Weitergabe von Wissen geht. Geben Sie es weiter, sobald Sie etwas gelernt haben. Viele Technikexperten weltweit würden es bevorzugen, Schulungen von Kollegen und Kolleginnen zu erhalten. Wenn Sie andere von Ihrem Wissen profitieren lassen, kommt dies allen zugute – nicht zuletzt Ihrer Karriere. Die Zeiten ändern sich. Nutzen Sie jede Gelegenheit zum Lernen und teilen Sie Ihr Wissen mit anderen, um voll und ganz vom Wandel zu profitieren.

Leon Adato ist sogenannter Head Geek bei SolarWinds.

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