SD-WAN erlaubt Cloud-basiertes Sandboxing

9. September 2020

Im Bereich der Netzwerkanbindung steht ein technologischer Generationenwechsel bevor: Die meisten IT-Verantwortlichen haben begonnen, software-definierte Netzwerke (SDN) einzuführen. Das traditionelle Wide Area Network wird immer öfter von seinem software-definierten jüngeren Bruder SD-WAN abgelöst, sodass wir an der Schwelle zu einer signifikanten Verschiebung zugunsten der software-gesteuerten Flusskontrolle innerhalb der WAN-Technologie stehen. Verantwortlich für diesen Technologiewechsel hin zu SD-WAN ist die vermehrte Nutzung der Cloud aber auch ganz allgemein Leistungskostenaspekte.

Momentan jedoch verfügen die meisten WANs von Unternehmen immer noch über die gleiche Architektur, die vor über einem Jahrzehnt aktuell war. Ungeachtet der Tatsache, dass infolge der Umwälzungen bereits nachhaltig eine hybride Situation existiert, wonach ein Unternehmen mit mehreren Standorten diese in der Regel über sogenanntes Multiprotocol Label Switching (MPLS) verbindet. MPLS-Verbindungen sind zweifelsohne zuverlässig und hochsicher, können aber sehr kostspielig und ressourcenintensiv sein.

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So weit, so gut: doch nur so lange alle Anwendungen im Rechenzentrum liegen. Mit der zunehmenden Nutzung von Cloud-Diensten wie etwa Office 365 und der Vernetzung globaler Standorte, ziehen die Daten aus dem Rechenzentrum nun in die Cloud um. Das traditionelle Modell der IT-Infrastruktur wird zunehmend irrelevant. Das physische Rechenzentrum wie wir es kannten, wird quasi geräumt.

Über MPLS-Schaltungen, auch bei Cloud-Anwendungen, wird der gesamte Cloud-Datenverkehr zur zentralen Firewall vor Ort zurückgeführt. Solch eine Backhauling-Struktur ist einerseits sehr sicher, verlangsamt jedoch das Netzwerk, trägt zu Latenzproblemen bei und verkompliziert die infrastrukturelle Architektur.

Dabei soll das Netzwerk einfach nur gewährleisten, dass die Daten sicher vom jeweiligen Standort in die Cloud gelangen. Nachdem sich alle Anwendungen in der Cloud befinden, und das Rechenzentrum quasi datenleer ist, stellt sich die Frage: Warum weiterhin kostspielige MPLS-Schaltungen nutzen?

Der Übergang zur Wolke erfordert eine neue Architektur. Eine, die die Cloud-Technologie und die Migration von Anwendungen in die Public Cloud umfasst: SD-WAN erlaubt eine softwarebasierte Kontrolle über herkömmliche WAN-Verbindungen. Die SD-WAN-Technologie vereinfacht die Verwaltung und den Betrieb eines WANs, indem sie die Netzwerk-Hardware von ihrem Steuerungsmechanismus entkoppelt. Sie „virtualisiert“ quasi das WAN, um das Netzwerk konfigurieren und den Datenverkehr weiterleiten sowie proprietäre Hardwareverbindungen ignorieren zu können.

SD-WAN erfordert neue Sicherheitsregeln

Der Wechsel von der Backhaul-Architektur zur zentralisierten IT-Sicherheit verlangt den gleichen Security-Level, der ehemals am zentralen Standort bestand und für alle verteilten Standorte gewährleistet war.

Da eine einzige, zentrale Firewall keine praktikable Lösung für mehrere Breakouts mehr ist, haben die frühen SD-WAN-Produkte die Sicherheit entweder durch eine Service-Verkettung mit bestehenden NextGen Firewalls durch Auslagerung der Sicherheitskontrolle in die Cloud oder sogar durch die Bereitstellung einer grundlegenden On-Board-Firewall und IPS-Sicherheit selbst gewährleistet. Leider bieten all diese Ansätze entweder keine ausreichende Sicherheit oder widersprechen der kritischen Anforderung einer zentralen Verwaltung des gesamten Netzwerks.

Um diese Mängel zu beheben, entstand Secure SD-WAN, das die Vorteile einer vollständigen SD-WAN-Konnektivität mit einer vollständigen Firewall-Sicherheit vereint, einschließlich einer umfassenden Anwendungskontrolle und -erkennung sowie der Möglichkeit, den Cloud-basierten erweiterten Schutz vor Bedrohungen zu nutzen. Darüber hinaus umfassen diese Produkte eine zentrale Verwaltung für alle Netzwerk-, Routing- und Sicherheitseinstellungen, wodurch die WAN-Verwaltung wesentlich einfacher und leichter wird.

Ein Secure SD-WAN sollte die folgenden Funktionalitäten umfassen:

  • SD-WAN-Terminierung, also die Aggregation von mehreren kostengünstigen Leitungen,
  • WAN-Optimierung, um die vorhandene Bandbreite optimal zu nutzen,
  • Routing, sprich den Verkehr bei Bedarf umleiten,
  • Firewall, an jedem Standort, um die Umgebung der Zweigstelle nachzubilden sowie
  • fortschrittlicher Schutz vor Bedrohungen aus dem Internet, wie der Einsatz einer Sandboxing-Technologie.

Entscheidend für die Sicherheit des SD-WAN ist, dass nicht länger eine einzige riesige zentralisierte Firewall nötig ist, durch die der gesamte Datenverkehr geleitet wurde. Keine Firewall bedeutet aber auch, dass jeder Benutzer innerhalb des Netzwerks Malware und anderen Cyber-Angriffen schutzlos ausgesetzt ist.

Dasselbe Maß an Sicherheit, für das zuvor eine zentrale Firewall gesorgt hat, ist nun durch viele kleinere Firewalls an jedem einzelnen Standort erreichbar. Angeschlossen an das SD-WAN, lassen sich statt des teuren MPLS, günstige lokale Verbindungen ins Netz des jeweiligen Cloud-Service-Provider nutzen.

Cloud-Sandboxing statt zentralisierter Sandbox

Einer zentralisierten Firewall steht in der Regel eine zentralisierte Sandbox zur Seite, die heruntergeladene Daten säubern und sie dann auf ihrem Weg zurück durch den Backhaul-Kreislauf weiterleiten.

Eine zentralisierte Sandbox-Struktur ist aber eher unrealistisch: Denn sobald ein Benutzer eine Datei herunterzuladen beginnt, muss diese Datei auf die zentralisierte Sandbox zurückgeleitet und schließlich dem Benutzer wieder zur Verfügung gestellt werden. De facto ist die Sandbox jetzt isoliert, da es sich kaum eine IT leisten will, an jedem Standort eine Sandbox zu installieren. Um den Datenverkehr abzusichern und Cyber-Angriffen zu entgehen, müssten die Standorte über einen Tunnel verbunden werden. Die effektivere Lösung ist ein cloud-basiertes Sandboxing. Mit SD-WAN lassen sich Informationen an eine Sandbox in der Cloud schicken. Gleichzeitig wird der Datenverkehr optimiert, um die wichtigen Informationen zu priorisieren.

Diese Kombination von Prozessen bietet eine deutlich verbesserte Sicherheit als klassische zentralisierte Vorgehensweisen. Und da sich die IT-Security ebenfalls in der Cloud befindet, kann von überall her auf das Netzwerk zugegriffen werden, sodass Benutzer, die remote arbeiten, geschützt sind.

Zero-Touch-Provisioning (ZTP) spart Zeit und Geld

Ein Tipp: Wo immer möglich, sollte nach Zero-Touch-Provisioning (ZTP) gesucht werden. Das spart Zeit und Geld. Mit Zero-Touch-Provisioning lässt sich eine Appliance direkt an den Endstandort versenden und aus der Cloud heraus konfigurieren.

Nach der Inbetriebnahme wird die Konfiguration abschließend automatisch auf das Gerät übertragen.
Da es sicherlich nur eine Frage der Zeit ist, wann Angriffe auch auf SD-WAN-Umgebungen abzielen, sollten IT-Security-Teams rechtzeitig und fortwährend für ihre Software-definierte Umgebung speziell entwickelte Sicherheitsvorkehrungen realisieren.

Dr. Klaus Gheri ist General Manager Network Security bei Barracuda Networks.

Barracuda Networks

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