Kurztest:Netzwerkspeicher im Eigenbau

26. September 2011

Wer eine Network Attached Storage-Lösung (NAS) sucht, wird auf dem Markt sehr viele kommerzielle Lösungen finden. Aber es geht auch anderes: Mit FreeNAS steht eine gänzlich kostenfreie Software zur Verfügung, mit deren Hilfe ein Systembetreuer selbst aus einem älteren PC einen Datei-Server für den professionellen oder privaten Einsatz aufbauen kann. Unser Kurztest stellt dieses Programm in der Versionsnummer 8 vor. Dabei zeigte sich dann auch, dass der Einsatz dieser ansonsten sehr guten Lösung dem Administrator doch noch etwas Arbeit abverlangt, wenn er sie in seinem Windows-Netzwerk einsetzen will.

Der FreeNAS-Server im Einsatz: Die grafische Oberfläche wurde für die Version 8 neu entwickelt – unter der Haube bleiben jedoch noch einige „Baustellen“ bestehen.

Die Geschichte des FreeNAS-Projekts, dessen Ziel es war, eine kostenfreie Software für einen NAS-Fileserver aufzubauen, ist schon einige Jahre alt: So wie der Bedarf an zur Verfügung gestellten Speicherplatz über NAS (Network Attached Storages), DAS (Direct Attached Storages) und SAN (Storage Attached Networks) in Unternehmen weiter wächst, ist dabei im Lauf der Jahre auch der Leistungsumfang FreeNAS-Software stetig gewachsen. NAS– besitzen im Gegensatz SAN-Systemen den Vorteil, dass sie für ihren Einsatz keine kostenintensiven und speziellen Hardwarekomponenten eines speziellen Storage-Netzwerks benötigen. Im Vergleich zum DAS ist ein NAS flexibler, was ganz besonders dann gilt, wenn iSCSI oder verschiedene Client-Betriebssysteme zum Einsatz kommen.

Speicherlösung mit Unix-Kern

Die aktuelle Version von FreeNAS basiert auf dem FreeBSD-Unix, genauer gesagt dem NanoBSD-Kern, der auf beinahe allen x86/x64-Rechnern verwendet werden kann. Ursprünglich wurde die Software vom Entwicklerteam Olivier Cochard-Labbé und Volker Theile unter der „BSD (Freie Software)“-Lizenz freigegeben. Nun wird die Software als Open-Source-Lösung unter anderem vom Unternehmen iXsystems angeboten. Zum Download steht die Software aber auch  direkt auch auf den SourceForge-Servern bereit.

Bis zum Erscheinen der Vorgängerversion wurde die Software stets als „0.Version“ bezeichnet – in dieser Systematik wäre die neue Version dann „FreeNAS 0.8“. Unabhängig von den Versionsnummern ist dabei aber leider kein Upgrade von 0.7/7 auf die neueste Version möglich. Auch innerhalb der eigenen Hauptversionsnummern stellt sich ein Update laut den Informationen im Wiki eher als eine Herausforderung denn als nützliche Option dar.

Einfache Installation, schnelle Inbetriebnahme

Die Installation der Software an sich ist sehr einfach. Die x86- oder x64-ISO-Datei herunterladen und auf dem Rechner installieren. Selbst Installationen bei denen FreeNAS stets von einer CD-ROM startet und die Konfigurationsdaten auf einer 3,5-Zoll-Diskette abspeichert werden, sind mit der Software möglich und werden in verschiedenen Internetforen ausführlich beschrieben. Wer die FreeNAS von einem Flash-Speicher starten lassen möchte, sollte allerdings einige Zeit für die Suche nach den passenden Parameter einrechnen.

FreeNAS benötigt im Arbeitsspeicher gerade einmal rund 60 MByte und stellt dabei die typischen NAS-Dienste wie CIFS/SMB über die Samba-Implementierung, FTP, SFTP, NFS, rsync, iSCSI, S.M.A.R.T., lokale Benutzer-Authentifizierung, Software-RAID (0,1 und 5) sowie die Synchronisationslösung Unison zur Verfügung. Die NAS unterstützt die Dateisysteme UFS, FAT32, Ext2/Ext3, ZFS und das unter Microsoft Windows gebräuchliche NTFS. Für den Regelbetrieb empfehlen die Entwickler in der Dokumentation jedoch in erster Linie das Solaris-Filesystem ZFS. Eine spezielle Hardware Compatibility List (HCL) für FreeNAS gibt es nicht – die Geräte-Unterstützung entspricht der HCL von FreeBSD.

Konfiguration über die Web-Schnittstelle

Die Konfiguration des Servers nimmt der Administrator über das neu entworfene Web-Interface vor, lediglich die ersten Grundschritte sind über die Konsole durchzuführen. Die typische Heimanwender-Features wie Bittorent und UPnP, in der 7er Vorgängerversion noch fester Bestandteil von FreeNAS, sind verschwunden. Was leider immer noch fehlt sind Konfigurations-Assistenten, die den Administrator bei der Einrichtung unterstützen. Das wird am Beispiel iSCSI sehr schnell deutlich: Ehe ein iSCSI-Target über das Netzwerk bereitgestellt werden kann, muss dieses in Form eines iSCSI-Portals eingebunden werden. Darauf wird aber leider nirgendwo hingewiesen, und der Eintrag „Portal“ steht am rechten Rand des Menüs –und nicht an der ersten Stelle, wo er eindeutiger und leichter zu finden wäre. Im Internet steht glücklicherweise eine große Anzahl von „How-To“-Anleitungen auch in deutscher Sprache bereit,
die eine Konfiguration Schritt für Schritt beschreiben.

Wer seine FreeNAS in Windows-Netzwerke einbinden will, muss ebenfalls auf einige Workarounds zurückgreifen, um den Speicher der NAS sinnvoll nutzen zu können. Diese Einschränkungen können aber nicht davon ablenken, dass es sich um eine sehr gute und freie Softwarelösung handelt, die auch professionelle Administratoren gut einsetzen können, um beispielsweise vorhandene ältere PC-Hardware als NAS-Speichersystem weiterhin einzusetzen.

Thomas Bär/ fms

Pro:

Kostenfreie und kompakte NAS-Software
Möglichkeit vorhanden, iSCSI-Targets einzurichten & zu verwenden.

 
Kontra:

Keine Update-Möglichkeit von Version 7 auf  Version 8 möglich
Fehlende Konfigurationsassistenten
– noch
Mängel bei der Einbindung in CIFS/SMB

Kontakt:

Open Source Software
http://www.freenas.org

Preis:
kostenfrei

Lesen Sie auch