Die Qual der Wahl beim Hyper-V 2012 Server

18. Februar 2013

Entscheidend für die Wahl der richtigen Server-Virtualisierungsplattform aus dem Haus Microsoft ist die künftige Arbeitslast in den virtuellen Maschinen: Sollen vor allem Clients betrieben werden, empfiehlt sich der Einsatz der Kostenlosen Version: Hyper-V Server 2012.

Sollen viele Windows-Server-VMs zum Einsatz kommen und ein flexibles Verschieben der VMs über die Live Migration möglich sein, ist die Datacenter-Version von Windows Server 2012 die beste Wahl.

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Wenn man die Hyper-V-Version auf der Basis von Windows (den sogenannten Client Hyper-V) außer Acht lässt, gibt es drei Server-basierte Versionen des Hyper-V. Alle drei verfügen über dieselben Fähigkeiten und auch die gleiche Skalierbarkeit. Die einzigen Unterschiede beziehen sich auf die Lizenzrechte, um in den virtuellen Maschinen (VMs) Windows-Gastbetriebssysteme einzusetzen.

Allerdings kann man sozusagen nach Belieben andere Gastbetriebssysteme – wie etwa Linux-basierte Server – in den VMs einsetzen, ohne dafür Lizenzen an Microsoft zu bezahlen. Will man allerdings als Gastbetriebssystem Windows-Plattformen verwenden, fallen entsprechende Lizenzen im Bereich der Gastbetriebssysteme an.

Die folgenden Varianten – genauer gesagt Bezugsformen – für den Hyper-V sind derzeit aktuell:

  • Windows Server 2012 Standard: Dieses Produkt kostet Lizenzgebühr und enthält den aktuellen Hyper-V. Zudem sind die Lizenzen für zwei virtuelle Instanzen mit Windows Server 2012 darin enthalten (sprich in zwei VMs darf man jeweils ein Windows Server 2012 als Gastbetriebssystem betreiben).
  • Windows Server 2012 Datacenter: Bei diesem Produkt bekommt man für die Lizenzgebühr eine unbegrenzte Anzahl von virtuellen Instanzen, um Windows Server 2012 in – beliebig vielen – VMs einzusetzen.
  • Hyper-V Server 2012: Dieses Produkt steht zum kostenlosen Download bereit, enthält aber keinerlei Lizenzen für virtuelle Instanzen mit Windows Server.

Arbeitslasten entscheiden über die passende Virtualisieringslösung

Diese bisherige Aufstellung bezieht sich allein auf die Lizenzrechte für den Einsatz von Windows-Betriebssystemen als Gastbetriebssystem in den VMs. Je nach Einsatzbereich kann man zudem die passende Version auswählen. Im Folgenden werden einige Szenarien geschildert:

  • Virtual Desktop Infrastructure (VDI): In einer VDI-Umgebung kommen viele – oftmals Hunderte und mehr – VMs zum Einsatz, in denen als Gastbetriebssystem Windows XP, Windows 7 oder Windows 8 agieren. Hier empfiehlt sich der Einsatz des kostenlosen Hyper-V, denn als Lizenzen für die Gastbetriebssysteme muss man sich um die entsprechenden Client-Betriebssystemlizenzen kümmern – die Rechte für virtuelle Instanzen des Server-Betriebssystems helfen einem hier nicht weiter.
  • Private Cloud: Soll eine Private Cloud aufgebaut werden, benötigt man in der Regel eine Vielzahl von VMs, in denen Windows-Serverbetriebssysteme laufen. Dabei ist vor allem die Live Migration eine Funktion, die das Leben vereinfacht. In einem derartigen Szenario empfiehlt sich der Einsatz der Datacenter-Version von Windows Server 2012, denn damit kann man eine unbegrenzte Anzahl von VMs mit Windows Server 2012 einsetzen. Damit ist dann auch die vollständige und uneingeschränkte Verschiebbarkeit von VMs – im Rahmen der Live Migration – gegeben.
  • Linux-Umgebungen: Sollen auf dem Hyper-V Linux-basierte VMs eingesetzt werden, ist es aus lizenzrechtlicher Sicht dieselbe Konstellation wie beim VDI-Ansatz: Es reicht der kostenlose Hyper-V Server – Lizenzrechte für Windows-Server-Gastbetriebssysteme nutzen hier nicht. Allerdings muss man das betreffende Linux unter Umständen ebenfalls lizenzieren. Zudem ist die enge Integration der Linux-Varianten in Hyper-V (über die Integrationsdienste) zu beachten.
  • Zweigstellen-Einsatz: Angenommen ein Unternehmen möchte einen eigenen Server in einer Zweigstelle betreiben, auf dem nur zwei VMs jeweils mit Windows Server 2012 laufen sollen, dann reicht der Windows Server 2012 Standard aus. Sollten dann künftig weitere VMs mit Windows Server nötig werden, kann man sich weitere Standardlizenzen dazu kaufen und sie auf dem betreffenden physischen System zum Einsatz bringen. Angenommen man kauft zwei Windows Server 2012 Standard, dann hat man damit das Recht, bis zu vier VMs mit Windows Server 2012 auf dem physischen System und dem Hyper-V zu betreiben. Allerdings gilt es dabei eine Besonderheit zu beachten: Hat ein Unternehmen zwei Hyper-V Server (über Windows Server 2012 Standard) an einem Standort am Laufen, lassen sich die Lizenzen für die VMs nicht auf die beiden Systeme beliebig verteilen. Lizenzen lassen sich nur alle 90 Tage verschieben. Daher hat man bei zwei Virtualisierungs-Hosts mit jeweils zwei VMs immer ein Problem, wenn man VMs von einem System auf das andere verschieben möchte (etwa bei der Systemwartung eines Systems – da möchte man gerne die zwei VMs auf den anderen Virtualisierungs-Host verschieben, um Ausfallzeiten zu vermeiden). Daher müsste man dann immer die maximale Konstellation die Lizenzen auf dem Systemen vorhalten – sprich in diesem Beispiel wären das jeweils zwei Lizenzen von Windows Server 2012 Standard für jeden der beiden Virtualisierungs-Hosts. Wer nachrechnet, der wird schnell bemerken, dass die Variante mit der Datacenter-Edition von Windows Server 2012 dann schnell die günstigere Variante wird. 

Insgesamt betrachtet ist die Entscheidung, welche Hyper-V-Form man verwendet, in erster Linie davon abhängig, wie viele Windows-Server-Gastbetriebssysteme auf dem Hyper-V zum Einsatz kommen sollen. Wer keine Windows-Server-VMs betreiben muss, der kann auf die günstigste Version zurückgreifen: den Hyper-V Server 2012.

John Savill

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