Vertrauen ist die neue Sicherheitslücke
2. November 2026
KI-gestützte Angreifer sind schneller als die Abwehr und nutzen gezielt Vertrauen aus. Das belegt der aktuelle Threat Report von Northwave. Er zeigt zudem, wie Unternehmen digital souverän, handlungsfähig und vertrauensvoll bleiben können.
Eine zentrale Erkenntnis des Global Threat Landscape Report 2026 lautet, dass KI das Gleichgewicht zwischen Angreifern und Verteidigern verschiebt: die Verteidiger geraten ins Hintertreffen. Der Report zeigt, wie wenig Zeit Unternehmen für die Abwehr bleibt.
Bei neuen Schwachstellen haben Angreifer im Schnitt sieben Tage Vorsprung, bis ein Patch erscheint. Danach brauchen Unternehmen im Median weitere 43 Tage, um ihn zu installieren und die Lücke zu schließen.
Der Chef, der keiner ist
Künstliche Intelligenz senkt laut Northwave den Erstellungsaufwand für Deepfakes. Das NW CERT beobachtet, dass Angreifer BEC-Kampagnen zunehmend mit gefälschten Stimmen und Videos verstärken. Ein perfekter Klon ist dafür nicht nötig. Oft reicht eine vertraut klingende Stimme in Verbindung mit einer dringenden Bitte.
Ein Anruf, der wie die Geschäftsführerin klingt, löst keinen Alarm aus. Viele Unternehmen investieren in Abwehrtechnik und klären zu spät, wer im Ernstfall Freigaben erteilt. Wer erst während des Angriffs über Zuständigkeiten diskutiert, verliert die entscheidenden Stunden.
Vertrauen bleibt die Grundlage jeder Sicherheitsbeziehung, sowohl zwischen Anbieter und Kunden als auch in die eingesetzten Lösungen. Aus Sicht von Northwave muss Vertrauen jedoch nachweisbar sein: durch klare Freigabeprozesse, kontrollierte Zugriffe und unabhängige Partner, deren Handeln auch in kritischen Situationen transparent und nachvollziehbar bleibt. Der Threat Report warnt zudem vor KI-Agenten im eigenen Unternehmen. Sie erhalten weitreichende Zugriffe auf Systeme und Daten und werden so zu einer neuen Form des Insiders.
Souveränität heißt Unabhängigkeit
Handlungsfähigkeit im Ernstfall setzt Unabhängigkeit voraus. Northwave versteht digitale Souveränität nicht nur als Technikfrage, sondern als Frage des Risikomanagements. Unternehmen müssen ihre kritischen Abhängigkeiten kennen und auch dann handlungsfähig bleiben, wenn diese unter Druck geraten.
Eine vollständige Autarkie ist in digitalen Ökosystemen nicht realistisch. Nach Einschätzung von Northwave braucht es europäische Alternativen, vor allem bei Cloud, KI und Security. Die Herkunft einer Lösung allein macht sie noch nicht souverän. Entscheidend ist, wer im Krisenfall handeln kann. Das Thema gewinnt an Gewicht. Laut Threat Report steht Deutschland besonders im Visier staatlicher Angreifer, etwa durch Spionage aus China und Sabotageversuche aus Russland.
Northwave Cyber Security konzentriert sich in Deutschland auf drei Kernbereiche:
- Managed Security Services machen Unternehmen widerstandsfähig. Das Security Operations Center von Northwave überwacht IT-Umgebungen rund um die Uhr und dämmt Angriffe ein, bevor sie sich ausbreiten. Northwave ist Mitglied der Microsoft Intelligent Security Association (MISA). Unabhängige Auditoren haben die Security Services nach anerkannten internationalen Standards geprüft und zertifiziert, darunter ISO/IEC 27001 und SOC 2.
- Incident Response hält Unternehmen handlungsfähig, wenn ein Angriff gelungen ist. Zuständig ist das NW CERT, das Notfallteam von Northwave. Seine Spezialisten dämmen laufende Angriffe ein und untersuchen sie forensisch. Seit 2012 hilft das Team Unternehmen nach Ransomware-Angriffen und Datenschutzverletzungen mit der Devise: so schnell und sicher wie möglich zurück ins Business.
- Security Consulting hilft Unternehmen, souverän zu entscheiden. Northwave berät zu Strategie sowie Governance und bereitet auf die Umsetzung von Regularien wie NIS2 oder den Cyber Resilience Act vor. In Krisenübungen testen Führungsteams ihre Freigabewege unter Zeitdruck und stärken die (Cyber-)Resilienz von Organisationen gegen moderne Angriffe auf Menschen, Prozesse und Vertrauen.
Eileen Walther ist General Manager der Northwave Deutschland GmbH