Ransomware startet PCs im abgesicherten Modus

11. Dezember 2019

Um Schutzmechanismen auszuhebeln startet eine neuartige Ransomware PCs im abgesicherten Modus. SophosLabs beschreibt in aktuellem Snatch-Report detailliert das Vorgehen der Hacker und liefert interessante Einsichten in die Cybercrime-Szene. Nicht nur das Verschlüsseln von Daten, sondern auch das gezielte Herausfiltern für spätere Erpressungen in Zusammenhang mit der DSGVO scheint immer beliebter zu werden.

Die sogenannte Snatch-Ransomware geht mit variierenden Techniken vor und veranlasst unter anderem einen Neustart übernommener Computer im abgesicherten Modus, um verhaltensorientierte Schutzmaßnahmen, die speziell nach Ransomware-Aktivitäten wie das Verschlüsseln von Dateien Ausschau halten, zu umgehen. Sophos geht davon aus, das Cyber-Kriminelle damit eine neue Angriffstechnik etabliert haben, um fortschrittliche Schutzmechanismen auszuhebeln.

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Neben dieser Angriffstaktik belegt ein weiterer interessanter Fund, dass sich ein anderer Trend fortzusetzen scheint: Kriminelle filtern immer häufiger Daten heraus, bevor die eigentliche Ransomware-Attacke startet. Die entwendeten Daten könnten zu einem späteren Zeitpunkt für Erpressungen, auch in Zusammenhang mit der DSGVO, verwendet werden. Ähnliches Verhalten konnten die SophosLabs zum Beispiel bei Ransomware-Gruppen wie Bitpaymer feststellen.

Automatisierte Angriffe im Kommen

„Wir gehen davon aus, dass sich derartige Hybride aus Daten-Diebstahl und Ransomware in Zukunft häufen werden“, so Michael Veit, IT-Security-Experte bei Sophos. „Snatch ist ein weiteres Beispiel für eine automatisierte Angriffsmethode, wie sie SophosLabs in seinem Threat Report 2020 beschrieben hat. Sobald Angreifer über Fernzugriffsdienste in ein System eingedrungen sind, nutzen sie das sogenannte Hand-To-Keyboard-Hacking, um möglichst viel Schaden anzurichten.“

Der Snatch-Report beschreibt, wie Hacker versuchen, Zugang via unsicherer IT-Fernzugriffsdienste zu erlangen, beispielsweise über das Remote Desktop Protocol (RDP). Zudem enthält das Dokument zahlreiche Hintergrundinformationen zur Szene, die unter anderem beschreiben, wie die Snatch-Schöpfer versuchen, Kollaborateure in Dark-Web-Foren zu rekrutieren.

Ebenfalls kein Zufall scheint der Name „Snatch” zu sein. In frühen Versionen der Ransomware findet sich im Erpressungsschreiben die Email-Adresse ImBoristheBlade(at)protonmail.com. Dies könnte eine Referenz an den Film „Snatch“ mit Brad Pitt aus dem Jahr 2000 sein, in dem ein KGB-Agentencharakter namens Boris the Blade mit von der Partie ist, der sich durch seine Flinkheit und Zähigkeit auszeichnet. Und auch der von den Hackern im Dark Web genutzte Deckname Bullet Tooth Tony taucht im selben Film auf.

Als Schutzmaßnahmen gegen Snatch & Co. empfehlen Experten die folgenden Punkte:

  • Proaktives Vorgehen beim Threat Hunting: Hier sollte ein professionelles Sicherheitsteam – im Unternehmen oder in Form eines externen Dienstleisters – eingesetzt werden, um mögliche Bedrohungen rund um die Uhr zu überwachen.
  • Einsatz von Machine beziehungsweise Deep Learning für das verhaltensbasierte Erkennen von Malware am Endpoint.
  • Wo möglich, identifizieren und stoppen von Fernzugriffsdiensten, die aus dem öffentlichen Netz zugänglich sind.
    Ist ein Fernzugriff zwingend für die Arbeitsprozesse nötig, muss dieser unbedingt via VPN mit Multifaktor-Authentifizierung, Passwort-Prüfung und präzisen Zugangs-Kontrollen geschützt sein.
  • Jeglicher Server mit Fernzugriff sollte mit aktueller Software ausgestattet sein, hinsichtlich Login-Versuchen und Abweichungen überwacht werden und mit einer Endpoint Sicherheitssoftware geschützt sein.
  • Nutzer, die mit Fernzugriffsdiensten eingeloggt sind, sollten für den Rest des Firmennetzwerks nur über begrenzte Rechte verfügen.
  • Administratoren sollten für ihre Accounts die Multifaktor-Authentifizierung nutzen.
  • Unternehmen können öffentliche Netzwerk-Scan-Dienste verwenden, um nach offenen RDP-Ports in ihrem IP-Bereich zu suchen. (rhh)

Hier geht es zum SophosLabs Snatch Report

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