Open-Source-Plattform kartiert das Ökosystem der Cyber-Kriminalität

22. Juni 2026

Bei der frei zugänglichen Plattform „Cybercrime Atlas Cosmos“ handelt es sich um einen ontologiebasierten Wissensgraph. Er erfasst Akteure, Werkzeuge, Marktplätze und Geldflüsse im globalen Cybercrime-Ökosystem, stellt ihre Verbindungen in einer interaktiven Karte dar und durchleuchtet auf diese Weise die Strukturen der organisierten Cyber-Kriminalität. Die Erstversion umfasst neun Kernkategorien, 229 identifizierte Elemente und 849 dokumentierte Verbindungen.

Laut Bitkom-Wirtschaftsschutzstudie 2025 beläuft sich der Schaden durch Cyber-Angriffe in der deutschen Wirtschaft auf 202,4 Milliarden Euro, was ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. 87 Prozent der befragten Unternehmen waren demnach betroffen. Global schätzt der WEF-Bericht „Global Cybersecurity Outlook 2026“ die jährlichen Kosten für Cyber-gestützten Betrug auf 1,1 Billionen Dollar.

Hinter diesen Zahlen steht eine arbeitsteilige Schattenwirtschaft, in der spezialisierte Akteure kriminelle Marktplätze betreiben, Schadsoftware als Dienstleistung liefern und Erlöse über Kryptowährungsnetzwerke waschen. „Cosmos“ soll genau diese Arbeitsteilung sichtbar machen.

Gemeinsame Sprache statt Datensilos

Bislang arbeiten Ermittlungsbehörden, Nachrichtendienste und IT-Sicherheitsunternehmen mit unterschiedlichen Begriffen und Formaten. Cosmos schafft eine gemeinsames und einheitliches Beschreibungssystem, das die Abhängigkeiten innerhalb des kriminellen Ökosystems standardisiert abbildet. Nutzer filtern über eine interaktive Karte nach Kriminalitätssphären, Plattformen, Branchen und Akteuren. Der Datensatz wächst mit neuen Erkenntnissen aus der Community.

Federführend auf Seiten von Orange Cyberdefense war Charl van der Walt, Head of Security Research. Sein Team hatte 2024 das Analyse-Werkzeug „Cybercrime Now“ veröffentlicht. Die WEF-Community lud das Unternehmen daraufhin ein, die Technologie für Cosmos weiterzuentwickeln. Neben Orange Cyberdefense trugen die Universitat de Girona, Scitum und TrendAI zur Forschung bei.

Relevanz für den deutschen Markt

59 Prozent der deutschen Unternehmen stufen Cyber-Attacken als existenzbedrohend ein, die IT-Sicherheitsausgaben steigen 2026 voraussichtlich auf 12,2 Milliarden Euro. Mit dem seit Dezember 2025 geltenden NIS-2-Umsetzungsgesetz wachsen zudem die regulatorischen Anforderungen an rund 30.000 Unternehmen. Ein gemeinsames Verständnis der Bedrohungslage, wie es Cosmos fördern will, kann die Erfüllung dieser Vorgaben erleichtern.
Cybercrime Atlas Cosmos ist ein vom World Economic Forum gehosteter Wissensgraph, das heißt eine strukturierte und interaktive Datenbank, die das globale Cybercrime-Ökosystem abbildet. Statt Informationen in Tabellen zu speichern, verbindet ein Wissensgraph Einträge durch benannte Beziehungen miteinander: „Gruppe X nutzt Werkzeug Y“, „Werkzeug Y wird gehandelt auf Marktplatz Z“, „Marktplatz Z wäscht Geld über Kanal W“.

Die Plattform basiert auf einer formalen Ontologie mit einheitlichen Definitionen und Kategorien: neun Kernkategorien, 229 Elemente, 849 Verbindungen. Entwickelt wurde Cosmos unter Federführung von Orange Cyberdefense, mit Beiträgen der Universitat de Girona, des mexikanischen Cybersecurity-Dienstleisters Scitum S.A. de C.V., und TrendAI, die auf Unternehmenskunden ausgerichtete AI-Cybersecurity-Marke von Trend Micro. (rhh)

Orange Cyberdefense Germany GmbH

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