Infrastruktur-Experten über die Zukunft von Kubernetes
2. Juni 2026
Die Enterprise-Infrastruktur steht unter Druck. Die Kosten für Virtualisierung steigen nach der Übernahme von VMware durch Broadcom, während Workloads im Bereich KI und maschinelles Lernen rasant zunehmen. Verschärfte Anforderungen an die Datenhoheit und gesetzliche Vorschriften erzwingen zugleich Entscheidungen darüber, wo Daten gespeichert werden sollen. Als Reaktion darauf überdenken viele Unternehmen ihre Infrastruktur.
Der Voice of Kubernetes Report 2026 von Portworx by Everpure zeigt diesen Wandel. Die Umfrage basiert auf Antworten von mehr als 500 Fachleuten für Enterprise-Infrastruktur und verdeutlicht, dass sich die Plattform über ihre ursprünglichen Grenzen hinaus entwickelt hat. Heute wird sie zur Standardplattform für moderne Enterprise-Infrastrukturen für Stateful-Applikationen, KI-Pipelines und sogar virtuelle Maschinen.
Die Akzeptanz von Kubernetes wächst seit Jahren stetig, doch die Daten zeigen nun etwas Bedeutenderes: einen langfristigen strategischen Wandel. Heute geben 28 Prozent der Unternehmen an, dass die meisten oder alle ihrer aktuellen Anwendungen auf Kubernetes laufen.
Wenn Unternehmen jedoch in die Zukunft blicken, ändert sich das Bild erheblich. Innerhalb der nächsten fünf Jahre erwarten 84 Prozent, mindestens die Hälfte ihrer neuen Anwendungen auf Kubernetes zu entwickeln. Dies signalisiert einen klaren Übergang zu „Container-first“-Entwicklungsmodellen.
Unternehmen führen datenintensive Workloads auf Kubernetes aus
Kubernetes wurde ursprünglich für die Verwaltung kurzlebiger Stateless-Workloads konzipiert, doch die Nutzung in Unternehmen hat sich weit darüber hinaus entwickelt. Unternehmen führen mittlerweile ein breites Spektrum an Workloads auf Kubernetes aus. Besonders aussagekräftig ist das fast ausgeglichene Verhältnis zwischen zustandslosen (63 Prozent) und zustandsbehafteten (58 Prozent), also Stateless- bzw. Stateful-Anwendungen. Es spiegelt das wachsende Vertrauen in Kubernetes als Plattform für geschäftskritische Systeme wider.
KI beschleunigt diesen Wandel noch weiter. Moderne KI-Pipelines – vom Modelltraining bis zur Inferenz – bestehen aus hochgradig verteilten Komponenten, die elastische Skalierung, intelligente Planung und eine enge Integration mit CI/CD- und Datenpipelines erfordern. Infolgedessen standardisieren viele Unternehmen auf Kubernetes als operatives Rückgrat für ihre KI-Infrastruktur, was ihnen ermöglicht, GPUs zu verwalten, Modell-Workloads zu skalieren und Datendienste in eine einheitliche Plattform zu integrieren.
Datenstandort ist nun eine strategische Infrastrukturentscheidung
Ein weiterer wichtiger Trend, der sich aus dem diesjährigen Bericht abzeichnet, ist die zunehmende Bedeutung der Datenhoheit. Für globale Unternehmen werden Infrastrukturentscheidungen nicht mehr ausschließlich von Leistung oder Kosten bestimmt. Zunehmend werden sie davon geprägt, wo Daten gespeichert werden dürfen. Tatsächlich gab jeder Befragte an, dass regulatorische, geopolitische oder kundenseitige Anforderungen an die Datenhoheit seine Datenstrategie beeinflussen.
Unternehmen reagieren darauf auf unterschiedliche Weise (Mehrfachnennungen möglich):
- 64 Prozent verlagern Daten in regionale Rechenzentren von Hyperscalern.
- 41 Prozent verlagern Daten zu lokalen Cloud-Anbietern.
- 40 Prozent verlagern Daten zurück in lokale Umgebungen.
Die geografische Verlagerung von Daten ist jedoch nur ein Teil der Herausforderung. Unternehmen müssen zudem sicherstellen, dass Richtlinien zur Datenplatzierung, Sicherungsstrategien und Leistungsgarantien über alle Umgebungen hinweg einheitlich bleiben. Ohne diese Konsistenz kann die operative Komplexität von Hybrid- und Multi-Cloud-Bereitstellungen die von Kubernetes versprochene Agilität untergraben.
Kostendruck bei VMware beschleunigt den Umstieg
Der unmittelbarste Auslöser für den Infrastrukturwandel ist wirtschaftlicher Natur. Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom meldeten 97 Prozent der Unternehmen höhere Lizenzkosten bei der Vertragsverlängerung. Für viele Infrastrukturteams hat dies eine unangenehme, aber notwendige Frage aufgeworfen: Ist das herkömmliche Virtualisierungsmodell noch tragfähig?
Für die meisten Unternehmen scheint die Antwort „nein“ zu lauten. Die Studie verdeutlicht, wie weitreichend diese Neubewertung geworden ist. Während einige Unternehmen alternative Hypervisoren prüfen, besteht der häufigste Weg in die Zukunft darin, Workloads zu modernisieren und auf Kubernetes zu konsolidieren.
Tatsächlich geben 74 Prozent der Unternehmen an, dass sie planen, VMware-Workloads zu modernisieren oder zu migrieren, wobei viele Kubernetes als langfristige Plattform für diese Umgebungen identifizieren. Einige Unternehmen gestalten Anwendungen als Container neu und nutzen die Gelegenheit, im Rahmen der Umstellung auch Altsysteme zu modernisieren.
Andere verfolgen einen eher schrittweisen Ansatz – sie führen virtuelle Maschinen direkt auf Kubernetes aus, unter Verwendung von Technologien wie KubeVirt oder OpenShift Virtualization. So oder so ist die Richtung klar: Unternehmen wollen ihre Infrastruktur auf weniger, dafür flexiblere Plattformen konsolidieren.
Die Ergebnisse des Voice of Kubernetes Report 2026 von Portworx by Everpure bestätigen, was viele Plattformteams bereits wissen: Unternehmen überwinden die traditionellen Grenzen zwischen Containern und virtuellen Maschinen. Sie konsolidieren ihre Infrastruktur auf Kubernetes und bauen Plattformen auf, die die nächste Generation von Anwendungen unterstützen können – von KI bis hin u globalen Datendiensten.
Die Gewinner werden nicht einfach die Unternehmen sein, die am schnellsten migrieren. Es werden diejenigen sein, die Plattformen aufbauen, die Leistung, Ausfallsicherheit und Datenmobilität in großem Maßstab realisieren können. (rhh)