Quanten-Durchbruch bedroht die Sicherheit von morgen schon heute

20. Februar 2026

Quantencomputing stellt die Grenzen technischer Machbarkeit auf den Kopf: Von der Cyber-Sicherheit bis zur Weltwirtschaft. In einer Ära, in der klassische Verschlüsselungsverfahren wie RSA an ihre physikalischen Grenzen stoßen, müssen Unternehmen und Behörden ihre Sicherheitskonzepte fundamental neu denken. Experten warnen: Wer den Umstieg auf quantenresistente Algorithmen verschläft, gefährdet die Integrität seiner Daten für Jahrzehnte.

Die Dringlichkeit wird nun von höchster Stelle untermauert: In seiner technischen Richtlinie BSI TR-02102-1 „Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen“ läutet das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) das Ende der bisherigen Standards RSA und ECC ein.

Das BSI zieht die Reißleine: Endstation für RSA und ECC

Ab dem Jahr 2032 gelten diese Verfahren solo nicht mehr als sicher. Hintergrund ist die reale Einschätzung, dass künftige Quantenrechner heutige asymmetrische Verschlüsselungen in Sekunden brechen könnten. Wer Daten mit langfristigen Geheimhaltungsfristen schützen will, muss laut BSI bereits heute auf krypto-agile Hybrid-Lösungen setzen.

Das Phänomen „Harvest Now, Decrypt Later“ (HNDL) beschreibt eine der unterschätztesten Bedrohungen der digitalen Gegenwart. Staatliche und kriminelle Akteure fangen bereits heute massenhaft verschlüsselte Datenströme ab und speichern diese auf Vorrat („Harvesting“). Das Ziel: Sobald ausreichend leistungsstarke Quantencomputer verfügbar sind, werden diese historischen Datensätze entschlüsselt („Decrypt Later“).

Diese Falle schnappt besonders bei Informationen zu, deren Vertraulichkeitswert über Jahrzehnte stabil bleiben muss – etwa bei Patientendaten, Bauplänen für kritische Infrastrukturen oder Staatsgeheimnissen. Für Organisationen mit langfristigen Aufbewahrungspflichten bedeutet dies eine unmittelbare Bedrohung ihrer strategischen Resilienz: Ein Geheimnis, das heute gestohlen wird, ist am „Q-Day“ kein Geheimnis mehr. Die Vorbereitung auf diese neue Ära ist daher keine ferne Option, sondern eine Management-Aufgabe mit höchster Priorität.

Mythen der Quanten-Sicherheit im Faktencheck

  • Mythos 1: „Post-Quanten-Kryptografie ist nur ein IT-Update.“ Die Realität erfordert eine tiefgreifende Strategie für Krypto-Agilität, um Algorithmen ohne Systemstillstand wechseln zu können.
  • Mythos 2: „KI und Quantenrechner agieren getrennt.“ Tatsächlich beschleunigen Quantenrechner das Training von KI-Modellen exponentiell, was völlig neue Sicherheitsbarrieren erfordert.
  • Mythos 3: „Sicherheit bremst den Nutzer.“ Ziel muss „SecuritybyDesign“ sein, bei dem hochautomatisierte Schutzmechanismen unsichtbar im Hintergrund laufen.

Es reicht nicht mehr aus, technologische Umbrüche lediglich zu verwalten. Echter Gestaltungswille zeigt sich darin, Zukunftsthemen wie das Quantencomputing bereits heute strategisch zu besetzen und die Schockstarre gegenüber dem Unbekannten zu überwinden,.
Fokus CPT 2026: Strategien für die Quanten-Ära

Die Umsetzung dieser Anforderungen ist Kernthema der Cyber-Security Konferenz CPT 2026 am 4. und 5. März in der Allianz Arena München. Experten wie Prof. Dr. Marian Margraf (Fraunhofer AISEC) diskutieren in Fach-Sessions konkrete Migrationsstrategien und das Konzept der Krypto-Agilität. Das Panel „Beyond Acceleration“ beleuchtet zudem die Auswirkungen massiver Rechenleistung auf die europäische Souveränität.

Thomas Händl ist Product Initiatives & Business Development bei FTAPI und Founder der CPT.

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