IT und Daten: Ohne Weiterbildung wird es schwer

21. Januar 2020

Sich weiterzubilden wird von Tag zu Tag wichtiger – und mittlerweile ist es im IT-Bereich nahezu unverzichtbar. Technische Umgebungen sind heutzutage komplexer als je zuvor, und je mehr neue Technologien auftauchen, während alte Technologien erhalten bleiben, desto komplexer werden sie. Technikexperten wissen, dass sie Fertigkeiten sowohl innerhalb, als auch außerhalb ihres traditionellen Rollenbilds entwickeln müssen.

Die Befragten des IT Trends Report 2019 gaben an, im kommenden Jahr System- und Infrastrukturfertigkeiten priorisieren zu wollen: Sie nannten insbesondere Software-Defined Networking, Sicherheit und Rechenzentren als wichtig für ihre berufliche Entwicklung im Jahr 2019 und darüber hinaus. Und je stärker die Rollen in der IT zusammengeführt werden, desto größer wird auch der Fortbildungsbedarf.

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Die Verwaltung technischer Umgebungen wird also immer komplizierter und auch die unterschiedlichen Aufgabenbereiche verändern sich. Wie können sich Technikexperten in dieser Situation durch eine höhere Qualifikation besser positionieren und auch in Zukunft erfolgreich bleiben? Wie gehen sie am besten vor?

Weiterbildung: Zurück in die Zukunft

System- und Infrastrukturkompetenz bedeutet heute, sich mit der Cloud auszukennen. Dabei geht es neben Programmierkenntnissen auch um die Skripterstellung und darum, Systeme mit neuen Schnittstellen zu verwalten, neue Befehle zu beherrschen, den Unterschied zwischen „automatisch“ und „programmatisch“ zu kennen und mehr.

Früher mussten Programmierer die Interna von Schnittstellen, Betriebssystemen und sogar Hardware verstehen, da der Code es so verlangte. Ja, sie waren Spezialisten, doch jeder beherrschte die Grundlagen. Die zum „Überleben“ notwendigen Tools waren damals unkomplizierter und auch schwerfälliger und primitiver, doch es ging um die gleiche Idee wie heute. Die Tage der Hyperspezialisierung, in denen jemand „nur“ programmieren konnte, sind vorbei (und waren, ehrlich gesagt, von Anfang an keine gute Idee). Jeder muss auch mit der Umgebung drumherum vertraut sein, mit ihr interagieren und ist vielleicht sogar für sie verantwortlich.

Die Vergangenheit wird wieder zur Gegenwart: Wir kehren dazu zurück, wie IT-Experten früher schon einmal gearbeitet haben. Wie gehen wir damit am besten um? Für wen ist welche Art der Weiterbildung sinnvoll? Welche Fähigkeiten man braucht, hängt vor allem vom eigenen Aufgabenbereich ab. Allgemein gilt es Folgendes zu beachten:

  • Personen im traditionellen Kernbetrieb (Netzwerkadministratoren, Systemadministratoren, DBAs usw.) sollten sich mit der Programmierung oder zumindest mit der Skripterstellung auskennen. Für den Anfang empfiehlt es sich, einfache Skripts in Routineaufgaben einzubauen.
  • Traditionelle Programmierer sollten ein Bewusstsein für die Plattform und den Lebenszyklus der Infrastruktur entwickeln und ihre Bedeutung wahrhaben. Dazu gehört es beispielsweise, die Ressourcenauslastung des Rechners zu kennen, für den ein Code bestimmt ist.
  • Jeder muss Empathie für diejenigen entwickeln, die im Support arbeiten. In konvergierten IT-Betrieben sollte ein jeder Supporttätigkeiten übernehmen, die anderen unterstützen, hart daran arbeiten, Probleme schnell zu beheben, und dafür sorgen, dass Probleme gar nicht erst auftauchen. Das hilft dem Einzelnen auch bei der Entwicklung neuer Fähigkeiten und bei der beruflichen Weiterentwicklung: Empathie führt zu Neugier auf andere IT-Bereiche und damit nicht selten auch zur Weiterentwicklung des eigenen Könnens.

Am wichtigsten ist bei alledem, dass es wirklich jeden betrifft: Niemand kommt umhin, sich weiterzubilden. Gleichzeitig erwartet niemand, dass jeder einzelne Entwickler auch Experte für Subnetze, VPN, Betriebssysteme, Speicheroptimierung, Datenbankoptimierung usw. ist – und nebenbei noch ein UI/UX-Genie, das die fünf bekanntesten Programmiersprachen perfekt beherrscht.

Als Teil eines Teams sollte man sich jedoch dessen bewusst sein, dass eine Person in der Gruppe diese Dinge beherrschen sollte. Wenn es Lücken gibt, sollte jeder sich überlegen, ob nicht er selbst derjenige sein könnte, der sich weiterbildet und die entsprechende Rolle übernimmt.

Auf die (Zwischen-)Menschlichkeit kommt es an

Auch wenn in verschiedenen Bereichen unterschiedliche technische Fähigkeiten benötigt werden, geht es insgesamt nicht nur um IT-Fertigkeiten. In jedem Fall kommt es nicht zuletzt auch auf soziale Kompetenz an. Die übliche Bezeichnung „Soft Skills“ beschreibt nur unzureichend, was diese Fähigkeiten umfassen und wie wichtig sie sind. Soft Skills sind nicht optional. Dies sind menschliche Fähigkeiten und jeder benötigt sie, um mit anderen Menschen in Verbindung zu treten und sie in einer Weise anzusprechen, die sie verstehen.

Ohne diese Kompetenz wird es schwierig, Worte zu finden, die beim entsprechenden Publikum ankommen, seien es Techniker oder die Führungsetage. Die kürzlich durchgeführte Umfrage Building Confidence for Tech Pros of Tomorrow (Neues Selbstvertrauen für die Technikexperten von morgen) ergab, dass Management- und Führungskompetenzen zu den Top 5 der Karriereziele für die nächsten drei bis fünf Jahre zählen.

Gleichzeitig gilt das oben Genannte (das Entwickeln von Fähigkeiten, ohne Experte sein zu müssen) auch dann, wenn es um soziale Kompetenz geht. Man muss kein Profi sein, um zu erkennen, dass menschliche, nicht-kognitive und soziale Kompetenzen der Schlüssel für die Kommunikation mit anderen sind und entsprechend Priorität erhalten sollten. IT-Experten sind an zahlreichen Projekten und Initiativen beteiligt, die das Unternehmen vorwärtsbringen und einen großen Unterschied machen können – und das macht effektive Kommunikation unheimlich wichtig. Doch wie eignet man sich diese Kompetenz an?

  • Einen Mentor finden: Oft findet sich im eigenen Team jemand, der einem etwas beibringen kann. Niemand beherrscht diese Fähigkeiten auf Anhieb, es gab immer jemanden, der dabei geholfen hat, sie zu lernen.
  • Die Sprache des Geschäfts erlernen: Wie jeder Spracherwerb braucht auch dies seine Zeit. Es ist wichtig, die Sprache der Vorstandsetage zu lernen und damit den eigenen Einfluss zu erweitern. Hierzu kann man beispielsweise seine Präsentationsfähigkeiten trainieren und um konstruktives Feedback bitten oder sich in Kommunikation üben und sich schließlich im Projektmanagement versuchen. Es geht um Learning by Doing und die enge Zusammenarbeit mit dem Mentor ist dabei besonders wichtig.
  • Mithilfe der technischen Fähigkeiten soziale Kompetenz entwickeln: Die Vorgehensweise beim Üben und Feedback-Erhalten ist ganz ähnlich wie die beim Testen von Codes. Stresstests gehören zum Alltag aller IT-Experten: Warum dieses Wissen nicht einfach auf das Entwickeln sozialer Kompetenz übertragen?

Angesichts der immer komplexeren technischen Umgebungen und zunehmend konvergenter IT-Rollen wird die Weiterbildung so wichtig wie nie zuvor. Jeder bringt andere Fertigkeiten mit sich und Weiterbildung sorgt dafür, dass Teams über alle Fähigkeiten verfügen, um ihre Aufgaben effektiv zu erledigen. Ein guter Mentor kann dabei eine

große Hilfe sein, egal ob es um technische Fähigkeiten oder soziale Kompetenz geht.
Um in der Technologie- und Geschäftswelt von heute Erfolg zu haben und beruflich voranzukommen, ist es unverzichtbar, vielseitige Fähigkeiten zu besitzen und auch die Bereiche zu verstehen, auf die man sich nicht spezialisiert hat. Wer sich heute nicht weiterbildet, muss damit rechnen, morgen vielleicht nicht mehr benötigt zu werden.

Sascha Giese ist „Head Geek“ bei Solarwinds.

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